„Die Umdeutung von Subvention in Investition ist ein Taschenspielertrick“

Das neue Buch „Der Kulturinfarkt“ von Prof. Dr. Klein, Dieter Haselbach, Pius Knüsel und Stephan Opitz erhitzt derzeit die Gemüter in der Kulturszene. Dabei erlebt das Land unabhängig von der inhaltlichen Diskussion, die noch gar nicht richtig in Gang ist, erneut ein Beispiel eines sich verselbständigenden und sich selbst aufschaukelnden Medienfeuerwerkes. Dieter Haselbach, Leiter des Zentrums für Kulturforschung bei Bonn, hat als Konsequenz sein Amt niedergelegt. Das macht nachdenklich. Dachten wir doch lange Zeit in einem Land der Meinungsfreiheit zu leben. Das dies wahrscheinlich ein Irrtum ist, scheint nun einmal mehr bewiesen.

TheaterManagement aktuell hat mit Prof. Dr. Armin Klein, als Sprecher der Autoren ein Interview geführt, das in der kommenden Ausgabe (Erscheinungstermin Ende März) vollständig abgedruckt erscheint (zur Bestellung). Hier lesen Sie einen ersten Auszug:

TheaterManagement aktuell: Herr Prof. Dr. Klein, gemeinsam mit Dieter Haselbach (Leiter des Zentrums für Kulturforschung bei Bonn), Pius Knüsel (Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia) und Stephan Opitz (Leiter des Referats für Kulturelle Grundsatzfragen im Bildungsministerium von Schleswig-Holstein)  kritisieren Sie in dem  neuen Buch „Der Kulturinfarkt“ die bestehende Kulturförderungspraxis in Deutschland und tragen den kulturpolitischen Grundsatz der 70er Jahre „Kultur für alle“ zu Grabe. Wie viel davon ist ernst gemeint und wie viel ist Provokation?

Prof. Dr. Klein: Das Buch will zeigen, dass der Grundsatz einer „Kultur für alle“ nicht einlösbar ist. Die Hoffnung, die Hochkultur zu popularisieren, haben sich nicht erfüllt. Das Angebot wurde ausgeweitet, die Nachfrage nach Kultur und der Kreis der Nachfrager haben sich nicht erweitert. Trotzdem wird die kulturelle Infrastruktur laufend ausgebaut. Eigentlich weiß das jeder – nur redet kaum einer darüber und die Politik ist in tatsächlichen kulturpolitischen Debatten nicht geübt. Sie argumentiert innerbetrieblich und empathisch. Das reicht nicht. Mit dem zugegeben lauten Aufschlag des „Kulturinfarktes“ versuchen wir, eine tatsächliche Debatte in Gang zu bringen. In der heutigen Öffentlichkeit geht so etwas nicht ganz ohne Provokation.

TheaterManagement aktuell: Der Spiegel titelte pointiert „Die Hälfte?“ und öffnet damit die Diskussion, um einen drastischen Abbau von Kulturbetrieben. Ist das die Lösung, die Sie mit Ihren Thesen anstreben?

Prof. Dr. Klein: Wir wollen einen Denkanstoß geben. Die zahlreichen Kultureinrichtungen verschlingen den Löwenanteil der Kulturhaushalte. Und einmal da, sind sie nicht wieder wegzukriegen – staatliche Förderung heißt vor allem in Deutschland immer auch stattlich garantierte Ewigkeit! Sie stehen gewissermaßen für immer, auch ihr Finanzierungsanspruch begleitet uns für immer. Die nachfolgende Generation sucht aber andere Orte für Kultur und andere Wege der kulturellen Betätigung. Sie bleibt in diesem System außen vor. Außerdem schafft die Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten, die Menschen zu Kultur hinzuführen. Wir gehen einer post-institutionellen Gesellschaft entgegen. Deshalb schlagen wir ein Gedankenexperiment vor: Denken wir mal die Hälfte des Apparates weg. Was können wir mit den Mitteln tun, was künftigen Bedürfnissen gerecht wird? Wir propagieren keinen Ab- sondern einen Umbau von Kultur. Dafür machen wir Vorschläge – für eine Diskussion. Wir liefern keine Blaupausen. Nach unserer Vorstellung wäre die neue Verteilung der Mittel weniger institutionenlastig, würde mehr auf Innovation, Mobilität, individuellen Konsum als auf traditionelle Formen und Vermittlung setzen.

TheaterManagement aktuell: Sie fordern einen Rückzug der Kulturpolitik zugunsten der Stärkung der Position des Individuums. Was dürfen wir genau darunter verstehen?

Prof. Dr. Klein: Wir wenden uns gegen die pädagogisierende Geste der Kulturpolitik, die sie aus ihren Anfängen mitgebracht hat. Ja, der Staat soll eine kulturelle Infrastruktur unterhalten. Aber dass er darüber hinaus auf allen möglichen Einzelförderkanälen noch überall sagen muss, was gute (erwünschte) und schlechte (unerwünschte) Kultur sei, finden wir nicht zeitgemäß. Überall sonst appelliert er an die Mündigkeit des Bürgers, nur in der Kultur soll der herbeivermittelt werden, nur in der Kultur muss man den Hund zum Jagen tragen. Statt „Erziehung des Menschengeschlechts“ (Friedrich Schiller) sehen wir in kultureller Produktion und kulturellem Konsum Optionen, die jeder in Eigenverantwortung einlöst oder nicht. Dazu muss man unseres Erachtens nicht weiter in die Fläche gehen, wie wir das immer wieder hören, dafür braucht es nicht an jeder Ecke ein Konzerthaus und ein Theater. Wenn, dann braucht es offene Infrastrukturen, in denen sich Bürgerinitiativen einnisten können. Oder Kulturcluster für mutige Jungunternehmer, die die Selbständigkeit suchen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der nächsten Ausgabe von TheaterManagement aktuell. Bestellschein hier.

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