Drastischer Umsatzrückgang bei klassischen Konzerten und Musicals

Der deutsche Konzert- und Veranstaltungsmarkt hat 2012 das Rekordjahr 2011 nicht wiederholen können, das belegt eine Konsumstudie, die im Auftrag des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (bdv) und des Branchenmagazins musikmarkt von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erstelltwurde. Nachdem der Branchenumsatz 2011 mit nahezu 4 Milliarden Euro 24% über dem Vorjahr lag, hat die GfK für das vergangene Kalenderjahr einen Umsatzrückgang in Höhe von 16% auf 3,3 Milliarden Euro ermittelt. Etwas weniger als ein Drittel entfiel davon auf Veranstaltungsangebote, bei denen Musik nicht im Vordergrund stand.

„Obwohl weniger Umsatz nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Unternehmen auch geringere Gewinne erwirtschaftet haben, muss das Ergebnis sehr sorgfältig analysiert werden“, kommentiert Prof. Jens Michow, geschäftsführender Präsident des bdv den Umsatzrückgang. „Zwar konnte die Branche aus dem Rekordergebnis 2011 ohnehin nicht schließen, dass sich ein derartiger Zuwachs kontinuierlich fortschreiben lässt. Auch die Tatsache, dass 2012 weniger Tourneen mit teuren internationalen Top-Produktionen als 2011 oder auch 2007 stattfanden, spiegelt sich im Umsatzrückgang wider. Sorgen bereitet mir allerdings der zunehmende Besucherrückgang“, so Michow. Während 2007 noch über 127 Millionen Tickets verkauft wurden, waren es 2012 nur noch 110 Millionen. Damit sei zwar der durchschnittliche Ticketpreis im Jahre 2012 wieder unter den bisherigen Spitzenwert von EUR 32,30 auf EUR 30,20 gesunken und lag somit nur noch marginal über dem Preisdurchschnitt von EUR 29,45 im Jahr 2007. „Unter dem Durchschnittspreis i.S.d. Studie versteht sich allerdings nur der Betrag, den die Besucher im Durchschnitt für Veranstaltungen ausgegeben haben. Sofern sie auf günstigere Veranstaltungen ausgewichen sind, besagt das noch nicht, dass auch der Preis-Level internationaler Top-Konzerte gesunken ist“ erläutert Stefan Zarges, Chefredakteur des Fachmagazins musikmarkt. „Und sofern diese Konzerte aufgrund ihrer Preise nicht mehr im bisherigen Umfang besucht wurden, ließe sich damit auch der Umsatzrückgang gut erklären“.

Ausführliche Informationen liefert die Studie zur wirtschaftlichen Entwicklung der verschiedenen Musikgenres: Musical-Veranstalter haben 2012 gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang von 16% hinnehmen müssen. Auch die Besucherreichweite ging deutlich von 11,1 auf 8,9 zurück. Damit sank der Durchschnittspreis bei Musical-Angeboten gegenüber dem Vorjahr von EUR 60,93 auf EUR 55,59, rangiert aber dennoch weiter an der Spitze des Preisrankings. Das bedeutet nicht nur, dass weniger Besucher Geld für hochpreisige Tickets ausgegeben haben, sondern dass sie auf andere – günstigere Angebote – ausgewichen sind. Auch der Festival-Markt hat leicht an Besucherreichweite verloren, proportional aber noch stärker im Durchschnittspreis, der von EUR 45,45 auf EUR 38,81 sank. Obwohl die großen Festivals (Rock am Ring, Wacken, etc.) in Deutschland sich größter Beliebtheit erfreuen, weichen offenbar einige Besucher auf kleinere Festivals aus, welche in der Vergangenheit auch deutlich in ihrer Anzahl zugenommen haben. Die größten prozentualen Verlierer sind mit über 30% gegenüber dem Vorjahr Konzertangebote der klassischen Musik sowie Opern und Operetten. Beide Veranstaltungsarten haben an Besucherreichweite verloren. Der Durchschnittspreis sank von EUR 31,73 € auf EUR 25,17. Hintergrund ist zum einen das sehr gute Jahr 2011 für diese beiden Veranstaltungsarten, welches im Jahr 2012 nur schwer zu wiederholen war. Zudem hat diese Musikrichtung sowohl im Veranstaltungsmarkt als auch im Tonträgermarkt Schwierigkeiten, ihren Besucherstamm zu erhalten und auch zum Kauf bzw. zum Veranstaltungsbesuch zu bewegen. Das zeigt, wie wichtig es ist, Maßnahmen zu ergreifen, um vor allem junges Publikum für den Klassik-Bereich zu interessieren. Gewinner im Veranstaltungsmarkt sind die Bereiche deutschsprachiger Rock / Pop und Deutscher Schlager. Sie erhöhten leicht ihre Besucherreichweite und schaffen es auch, einen höheren Durchschnittspreis pro Ticket durchzusetzen. Gründe hierfür sind im aktuellen Trend zur deutschsprachigen Musik und auch zum gewandelten deutschen Schlager zu suchen. ‚Zugpferde’ der Branche wie Helene Fischer oder Andrea Berg im Schlager Bereich haben hier ersichtlich positive Impulse gesetzt.

Das wahre Ausmaß der Umsatzeinbrüche bei Konzerten klassischer Musik / Oper / Operette und Musical wird erst richtig erkennbar, wenn man berücksichtigt, dass das Volumen des Gesamtmarktes für Musikveranstaltungen laut GfK-Studie 2011 bei 2.763 Mio. Euro lag und in 2012 um gut 450 Mio. Euro auf 2.315 Mio. Euro gesunken ist. Dagegen sank das Umsatzvolumen im Markt für Nicht-Musikveranstaltungen im geleichen Zeitraum lediglich um 170 Mio. Euro. Theater, Schauspiel und Lesungen mussten bei konstantem Umsatzanteil leichte Einbußen hinnehmen. Die Besucherreichweite von Veranstaltungen im Bereich Theater, Schauspiel und Lesungen ist von 2011 auf 2012 um einen Prozentpunkt auf 12,2 Prozent bezogen auf die private detusche Bevölkerung von 64 Mio. Personen. Gleichzeitig sank der druchschnittliche Ticketpreis in diesem Segment auf 18,55 Euro was schließlich zu einem Umsatzrückgang von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr führte. Insgesamt haben sind die Kulturbesucher preissensibler geworden, so dass die druchschnittlichen Preise über alle Genres in 2012 rückläufig waren. Theater, Schauspiel und Lesungen liegen im Ranking der druchschnittlichen Kartenpreise am unteren Ende, günstiger ist laut Studie nur noch der Discobesuch. Am oberen Ende rangieren Dinnershows mit durchschnittlich ca. 70 Euro pro Karte und Musikals mit durchschnittlich 55,59 Euro. Rang zwölf belegen Opern und Operetten mit durschnittlichen 32,59 Euro und auf Platz 18 Konzerte der klassischen Musik mit durchschnittlich 25,17 Euro.

Rückläufige Besucherzahlen wurden insbesondere in der Altersgruppe der Senioren ermittelt. Dies ist umso dramatischer als der demografische Wandel die Gruppe der 60+ zur größten Besuchergruppe anwachsen lässt. Nach einem Anteil von 33 Prozent an den Veranstaltungsausgaben in 2011 sank der Anteil dieser Gruppe in 2012 auf 29 Prozent. Wenngleich diese Gruppe größter Umsatzträger für Konzerte klassischer Musik sowie Oper und Operette ist, haben die gesunkenen Gesamtausgaben dieser Gruppe drastische Auswirkungen auf dieses Segment. Während der Umsatzanteil der Kartenverkäufe über das Internet mit 38 Prozent aller Kartenverkäufe gegenüber 2011 konstant geblieben ist, konnten die klassischen Vorverkaufstellen von einem Rückgang der Umsätze bei Kartenverkäufen per Telefon profitieren. Vorverkaufstellen dominieren dabei vor allem bei Genres mit älterem Publikum.

Diese und zahlreiche weitere aufschlussreiche Informationen zu Besucherzahlen, Eintrittspreisen und der wirtschaftlichen Bedeutung der diversen Veranstaltungssparten und Genres, den Altersstrukturen de Veranstaltungsbesucher und der Entwicklung des Kartenverkaufs über das Internet liefert die Studie in 31 Charts mit ausführlichen Erläuterungen. Die aktuelle Studie ist für 79 Euro (inklusive Mehrwertsteuer und Versand) beim Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (www.veranstaltungswirtschaft.de) oder beim Branchenmagazin musikmarkt (www.musikmarkt.de) erhältlich.

Share
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Management, Marketing, Ticketing veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.