Ioan Holender im Interview

Interview von Benedikt Weingartner mit Ioan Holender, dem langjährigen Direktor der Wiener Staatsoper, über Europa, Kulturpolitik und die Förderung junger Künstler. (Quelle: www.MusicInEurope.eu)

 

BW: Herr Holender, was bedeutet und ist für Sie Europa?
Holender: Europa ist ein Kontinent mit 43 Ländern, wovon 28 der Europäischen Gemeinschaft angehören und 15 nicht.

BW: Sie drücken sich sehr technisch aus. Wo ist Ihr persönlicher Platz in diesem Europa?
Holender: Ich bin ein Bürger, der aus einem der Länder kommt, die von der Europäischen Gemeinschaft geduldet sind. Von Rumänien kam ich als Flüchtling nach Österreich. Nach der entsprechenden Wartezeit von damals 10 Jahren, bin ich dann österreichischer Staatsbürger geworden. Also ich fühle mich in beiden Ländern zu Hause. Fragen Sie mich nicht, in welchem Land ich mich mehr zu Hause fühle. Meine Familie lebt in Wien. Hier habe ich verschiedene Ämter bekleidet. Unter anderem sehr lang – fast zu lang, nämlich 19 Jahre – die Staatsoperndirektion. Meine Tätigkeit beschränkte sich vornehmlich, auch jetzt noch, auf diese zwei Länder.
Sie möchten gerne von mir hören, dass Europa, diese 43 Länder, einen Zusammenhalt haben? Meiner Meinung nach sind wir weit davon entfernt, von dem, was Europa schon hatte. Stefan Zweig beispielsweise lebte in einer Zeit, in der man keinen Pass brauchte. Vor dem Ersten Weltkrieg, unvorstellbar für heute, konnte man ohne einen Pass durch die Länder reisen. Der Begriff eines Passes war unbekannt. Leider musste Stefan Zweig aber im Laufe seines Lebens kennenlernen, welche Lebenswichtigkeit ein Pass hat.
In Europa ist es immerhin gelungen, dass seit Ende des Zweiten Weltkrieges, bis auf den Jugoslawienkrieg, der etwas künstlich ausgebrochen ist, kein ähnlicher oder im Ausmaß zu den früher stattgefundenen vergleichbarer Krieg stattgefunden hat. Gott sei Dank!
Wir leben – das sage ich mit der gebotenen Vorsicht – in einem friedlichen Europa.
Das nationale Element dieser 43 Länder, wenn auch nicht bei allen, aber doch bei der Mehrheit, ob sie nun Mitglieder der Europäischen Union sind oder nicht, ist in der Wichtigkeit der eigenen Einschätzung nicht geringer geworden.

BW: Die ganze Welt spielt europäische Musik. Ist Kultur ein Kern der europäischen Identität?
Holender: Ohne Zweifel. Wenn es überhaupt eine europäische Identität gibt, ist diese einzig und allein durch die europäische Kultur, durch die Kultur von der Renaissance bis heute, durch alle Stile und Epochen, geprägt. Wenn sie an Bedeutung verloren hat, dann wegen dem Einfluss eines Kontinents, der größer ist als Europa, aber was Kultur betrifft eine mindere Bedeutung hat, ich spreche von den Vereinigten Staaten. Die Dominanz der Vereinigten Staaten herrscht in allen Bereichen und beeinflusst die Wirtschaft und die Ökonomie. Kunst und Kultur wurden mehrheitlich von Europa importiert. Das ist ja auch in Ordnung und ist Kulturgeschichte. Europäische Kultur verliert in Europa an Relevanz, weil nur alles was von Amerika kommt relevant ist.
Es gehört leider zur politischen Struktur, auch in Brüssel, also auch für die Europäischen Union, dass man die Kultur als einen der letzten Faktoren anerkennt oder erkennt. In den einzelnen Ländern in Europa ist es nicht besser.

BW: Wenigstens gibt es Persönlichkeiten wie Sie, die auch kulturpolitisch aktiv geworden sind.
Holender: Eine der wichtigsten Einrichtungen, die ich geschaffen habe, war – leider gibt es sie nicht mehr – die Stiftung „Pro Opera“ (Europäischer Verein zur Förderung der Kunstform Oper). Wir haben Künstler aus armen Ländern der Europäischen Union finanziell unterstützt, damit sie in ihrer Heimat bleiben und nicht dorthin gehen wo sie mehr verdienen würden.
Es ist zweischneidig: einerseits ist es erfreulich, dass nach dem Fall des eisernen Vorhangs jeder in Europa reisen kann, wohin er will, auch wenn es in Wirklichkeit nicht ganz so ist, andererseits entscheiden die wirtschaftlichen Vorteile. Auch Künstler – Sänger und Instrumentalisten – bleiben nicht in dem Land in dem sie geboren wurden. Das ist in Bulgarien, Rumänien, Ungarn und andere frühere Länder hinter dem eisernen Vorhang einfach so. Sie wollen dort aktiv sein, wo sie mehr verdienen und bessere Arbeitsbedingungen haben. Wir wollten das einigermaßen lindern – verhindern und radikal verändern konnte ich es natürlich nicht.
Ich finde es nicht gut, wenn Künstler ihre Heimatland, wo sie gelernt haben, wo sie aufgewachsen, dessen Kultur sie eigentlich mitprägen sollten, für immer verlassen.
Der Künstleraustausch innerhalb Europas ist jetzt viel größer und tiefgehender als es je war. Das ist richtig so. Trotzdem sollte die nationale Kultur, angefangen von der Folklore, die ich enorm wichtig finde, aber auch die Komponisten und Werke, die man aufführt, nicht europäisieren.
Richard Strauss, dessen 150. Geburtstag wir heuer feiern, hat für Deutschland und Österreich eine viel größere Bedeutung als für andere. Das ist auch in Ordnung so und hat seine objektiven Ursachen. Andererseits gibt es viele, kaum bekannte europäische Komponisten. Neben George Enescu beispielsweise eine ganze Reihe von serbischen, rumänischen und ungarischen Komponisten, zeitgenössische Komponisten aus diesen Ländern, die keine Relevanz in anderen Ländern haben. Man kennt sie nicht und tut auch nichts, um sie bekannter zu machen.

BW: Das wäre ein ganz entscheidender Auftrag für eine europäische Kulturpolitik, wenn es sie überhaupt gibt. Die Europäischen Union müsste durch Fördermaßnahmen in den ärmeren Ländern ein Budget zur Verfügung stellt, um eben gerade solche Traditionen zu fördern, Komponisten wieder in Erinnerung zu bringen und deren Werke aufzuführen.
Sie unterstützen ganz energisch Rumänien und leiten das George Enescu Festival.
Welche Erfahrungen machen Sie, wie Sie selber sagen, in einem der ärmsten Länder der Europäischen Union? Was ist der Auftrag dieses hochrangigen Festivals, in das der Staat Rumänien enorme Finanzen investiert, was oft auch kritisiert wird?
Holender: Das George Enescu Festival hat ein Budget von rund 7 Millionen Euro. Das ist ein sehr hohes Budget in Anbetracht der wirtschaftlichen Situation dieses Landes. Das ist einerseits gut, aber schlecht ist, das ist die einzig qualitativ hochstehende künstlerische Darbietung. Daneben passiert fast nichts. Die Kultursubventionen sind viel geringer als sie vor der Revolution, also während des kommunistischen Systems waren. Diktaturen haben, natürlich auch im Hinblick auf ihre eigenen politischen Zwecke, Musik, Theater und Literatur finanziell unterstützt. So war es im 3. Reich, bei Mussolini, bei Stalin und auch in der DDR. Es gab eine Unzahl von Symphonieorchestern, Opernhäusern und Theatern. Es sind weniger geworden. Diese haben heute oft ein Budget, das zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist.
Wovon sollen heute Orchester in südosteuropäischen Ländern leben? Oft werden sie für mindere Veranstaltungen in reicheren Ländern engagiert. Exzellente Orchester, egal ob zum Beispiel aus Brünn, Klausenburg oder einer ungarischen Provinz, werden immer wieder für bombastische Events mit großen Sängern oder Instrumentalisten geholt. Dabei spielt die Qualität des Orchesters keine große Rolle. Die Qualität ist weitgehend gut, obwohl sie mit einigen ganz schlechten Mitgliedern spielen müssen, die dort unkündbar sitzen und auf ihre Pensionierung warten.
Wenn man wenigstens auf den Gedanken kommen würde – nur auf den Gedanken, Künstler, also Instrumentalisten und Sänger, die Möglichkeit zu geben, in allen europäischen Ländern engagiert werden zu können, ohne formelle Schwierigkeiten, ohne notwendige Arbeitserlaubnisse, das wäre wirklich ein Zeichen der Öffnung. Von sich selbst aus würde sich dann  ein Austausch und eine Verbreitung der Qualität dieser arbeitssuchenden Künstler ergeben. Das wäre ein sehr starkes Zeichen in der Europäischen Gemeinschaft. Aber das ist überhaupt kein Thema.

BW: Ich muss Ihnen widersprechen, es ist schon ein Thema. Das neue Kulturprogramm der EU hat als eine entscheidende Priorität die Förderung der Mobilität von Künstlern. Das inkludiert das Anliegen, Reisefreiheit zu ermöglichen und auch Arbeitsmöglichkeiten entsprechend zu fördern.
Das Problem ist nur, wie erreicht man, dass beispielsweise rumänische Künstler in Deutschland oder Österreich eine Auftrittsmöglichkeit bekommen bzw. umgekehrt.
Holender: Das Umgekehrte ist nicht unwichtiger.

BW: Aber fast unmöglich.
Holender: Eigentlich nicht. Das Bewusstsein ist nicht da. Ein Sänger muss singen, will singen, möchte sich im Laufe seiner Karriere, seiner künstlerischen Existenz entwickeln. Wenn er auch Engagements in Rumänien bekommen könnte, würde er dort hingehen. Das ist nicht möglich, auch umgekehrt nicht, denn Rumänen brauchen hier eine Arbeitserlaubnis. Was habe ich in den Jahren in der Oper da alles mitgemacht, um zu beweisen, dass ich jemanden brauchte, weil ihn kein anderer ersetzen kann. Man hat mir geglaubt. Viel Papierkrieg war nötig. Es war ein eigenartiges Bewusstsein: man engagiert jemanden, gibt einen Vertrag, aber dieser ist rechtlich erst gültig, wenn die Arbeitserlaubnis gegeben wird. Das Arbeitsamt hätte auch sagen können, nein, einen lyrischen Sopran aus Albanien brauchen Sie nicht, den können sie auch in Österreich finden. Dieses Bewusstsein ist schlecht und betrifft natürlich auch Publizisten, Schriftsteller und Maler.

BW: Hängt es nicht auch damit zusammen, dass sich Kulturmetropolen gebildet haben? Die Wiener Staatsoper gilt doch als das beste Opernhaus Europas, der Welt?
Holender: Also das haben Sie jetzt gesagt!

BW: Heute geht es immer um das Top, um den Superstar, um den Topkünstler. Die Medien arbeiten damit. Sie sprechen vom Starsänger und Starpianist. Es gibt immer diese Top- und Ultratitulierungen. Der große Traum eines jeden Sängers oder Dirigenten ist, einmal nicht nur an der Wiener Staatsoper anzuklopfen, sondern auch eingelassen zu werden.
Hängt die fatale Situation, dass sich alles auf die Metropolen der Kunst und Kultur fokussiert, nicht eben genau mit diesem Kult zusammen?
Holender: Also die bekannten Kunsteinrichtungen, wozu auch die Wiener Staatsoper gehört – ich möchte Ihnen jetzt in der Klassifikation weder widersprechen noch eine andere Klassifikation einbringen – diese vier oder fünf Spitzenhäuser sind es durch die Geschichte geworden. Warum ist die Wiener Staatsoper so wichtig für Österreich? Weil es sonst weniges gibt in Österreich, was eine internationale Bedeutung hat. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ist Österreich ein kleines Land geworden. Sozusagen der Rest blieb Österreich, wie Clemenceau es formulierte. Die Staatsoper, die frühere Hofoper, die für das große Habsburgerreich in der Residenzstadt Wien repräsentativ war, hat man nach 1945 genau so groß wieder aufgebaut, wie sie davor war.
Sie ist für die österreichische Kultur und für dieses Land, das ja nicht so bekannt ist durch das was es hat, sondern was es einmal hatte, wichtig. Die Salzburger Festspiele gelten als relativiert wichtig, zusammen mit einem immer noch führenden Orchester, das zwei Funktionen erfüllt, einmal als freies Orchester Wiener Philharmoniker, andererseits als das Staatsopernorchester. Wenn wir Glück haben, gibt es vielleicht im Winter Schnee. Das sind die international einzig wirklich bekannten und gesuchten Phänomene, die wir in Österreich haben.
In Mailand, ob dies heute gut oder weniger gut ist, bleibt die Scala die Scala und lebt durch ihre lose Geschichte.
Dennoch muss ich relativieren. In Deutschland lebt man von der großen Vergangenheit. Dresden, München, Hamburg und Berlin haben enorm mehr Geld als alle anderen Opernhäuser. Natürlich tendiert man zu den bekannten Häusern, weil die Bekanntheit auch gesicherte Finanzen bedeutet.
Dennoch, ich habe in diesen zwei Jahrzehnten in der Oper auch die Erfahrung gemacht, dass eine Öffnung möglich ist. Das zeigte sich besonders im Engagement eines Asiaten als Musikdirektor der Staatsoper. Dass Seiji Ozawa überhaupt möglich war, hat einen wichtigen, weltweiten Effekt gehabt.

BW: Sie waren es, der Seiji Ozawa möglich gemacht hat!
Holender: Ich habe ihn möglich gemacht, weil man auch mich möglich gemacht hat. Also, dass da ein dahergelaufener Rumäne, wie das damals Sigrid Löffler im Profil so schön geschrieben hat, Direktor der Wiener Staatsoper geworden ist, das war schon ein starkes Zeichen. Nicht nur im Hinblick auf mich persönlich, sondern in Bezug auf die Berufung eines Menschen, der keine Relevanz für die Geschichte dieses Landes hatte. Aber die Akzeptanz ist dann auch eingetroffen, sonst hätte man mich nicht so lange ausgehalten. Aber ich habe die anderen ja auch so lange ausgehalten!

BW: Ioan Holender wäre so geduldet gewesen oder so zufällig Staatsoperndirektor geworden, das würde man, glaube ich, nicht so in die Geschichtsbücher schreiben.
Wenn Sie über Karriere sprechen, sagen sie immer, sie mögen dieses Wort nicht, denn erfolgreich wird man nicht durch den Erfolg, den man hat, sondern durch die Niederlagen.
Sie erklären das, wenn sie über ihre eigene Karriere sprechen. Sie wollten Sänger werden und hatten einen sehr aufregenden Lebensweg, bis sie schließlich Anfang der 90er Jahre hier diese wichtige Position bekamen. Diese war dann auch wirklich wichtig! Holender hat dieses Amt ausgefüllt. Wenn ich es so sagen darf, Holender war in Wirklichkeit der österreichische Kulturminister.
Holender: Es war nicht immer wichtig, wer österreichischer Kulturminister ist – aber bitte schön. Der Holender hat versucht, die Bedeutung dieses Hauses nicht auf das Land, wo es steht zu beschränken, sondern es wirklich zu öffnen. Ich bekenne mich zum Politischen in der darstellenden Kunst. Es sind immer zwei Dinge entscheidend: was sie spielen und mit wem sie es spielen. Ich finde Korngold nicht unwichtiger als Richard Strauss. Wenn man diesen Satz jetzt so herausnimmt, dann wird mich der – unter Anführungszeichen gesagt – wichtigste österreichische Musikkritiker vernichten und noch mehr hassen, als er dies schon tut. Trotzdem, ich bin dieser Meinung und habe es mit „Oedipe“ von Enescu und weiteren Erstaufführungen von Enescu, Krenek, Zemlinsky, Schönberg, Janacek und Reimann, bewiesen.
Man kam auch als arbeitssuchender Sänger einfacher in dieses Haus. In der Zwischenzeit hat sich die ganze Konfiguration sehr verändert. Von einem enorm großen Land, der Volksrepublik China, kommt es geradezu zu einer Invasion von Künstlern. Genau so auch aus den Länder der früheren Sowjetunion. Die früher nicht kommen konnten, sind jetzt auch da und alle wollen singen und Musik machen. Das macht es viel schwerer für die europäischen Künstlern, weil es nicht vice versa ist. Österreichische Sänger sind abgesehen von Topkünstlern in China nicht gesucht.
Sie haben die Medien angesprochen. Ich bin der Meinung, dass die Medien, insbesondere die österreichischen Kulturmedien, eine ganz unheilvolle Rolle spielen. Entweder sie schreiben nichts oder sie idolisieren die Idole noch mehr.
Die Open-Air-Veranstaltungen sind mittlerweile wichtiger als Opernhäuser. Dort verdient man in Verbindung mit den Tourismusorganisationen ordentlich Geld und wird von den Medien unterstützt. Das ist eine ganz negative und schlechte Entwicklung, die niemand erkennt, obwohl sie leicht eingeschränkt werden könnte.

BW: Es ist eine gesellschaftliche Entwicklung, nicht nur in der Kultur, auch in anderen Bereichen. Durch den Overkill, die mediale Flut sind die Menschen doch vollkommen überfordert. Deshalb kommt es zu der Fokussierung auf die Top-Namen. Wie kann man dem entgegenwirken? Wie kann man diesen Starkult, der sich in der limitierte Fähigkeit der Menschen, sich Namen zu merken begründet, entgegenwirken?
Holender: Das ist der Imperialismus in der Kunst. Das ist die Folge der Entwicklung von Kapitalismus und Imperialismus. Wir sind mitten drin. Es beschränkt sich alles auf Topwaren, auf Namen in der Wirtschaft, bedingt durch den enormen Druck der großen Firmen. Dieser schlechten Entwicklung kann man keinen Einhalt geben, weil wir in einer Gesellschaft mit einer sehr schlechten politischen Basis leben. Winston Churchill hat aber natürlich recht, es ist immer noch die Beste, eine bessere hat die Menschheit noch nicht erfunden, nur schlechtere.

BW: Wenn Sie jetzt die Möglichkeit hätten, das System ein bischen zu ändern – lassen Sie uns idealistisch denken – wo müsste man ansetzen, damit man die Kultur wieder in das Bewusstsein der Menschen zurückbringt? Nämlich als Quelle aus der sie schöpfen können. Kultur ist ja nicht nur Genuss, Kultur ist auch eine Lebensquelle.
Holender: Kultur hat eine Lebensqualität. Sie ist eine geistige Nahrung für die Menschen, die nicht unwichtiger ist als die materielle Nahrung.
Lassen Sie mich etwas zu den Sponsoren sagen: Diese sollten ein zusätzlicher Anreiz sein, damit Kunst- und Kultureinrichtungen mehr produzieren, nämlich für jene die sie bezahlen. Der Steuerzahler gibt der Wiener Staatsoper Geld, damit sie ihm etwas zurückgibt, in der Form von Kunst und Kultur. Nun vermischt sich aber die Grenze zwischen Kunst und Unterhaltung in Österreich zunehmend. Die Relevanz von Opernveranstaltungen und Festivals hängt scheinbar nur mehr davon ab, wie viele Menschen dort hingehen. Permanent lese ich über die Auslastungen, also wie viele Hintern die Stühle besetzen, ob sie nun die Karte bezahlen oder nicht.
Es wird immer nur von den Einnahmen gesprochen. Der Erfolg von Leitern von Kulturinstituten hängt scheinbar nur davon ab, wie viele Karten sie verkaufen. Sie handeln aus Angst, dass der eigene Posten gefährdet sein könnte.
Auch Misserfolge müssen möglich sein, Dinge an die man noch glaubt, die dann aber nicht so gut sind wie man angenommen hat. Dieses Recht hat die Kunst. Die Kunst muss suchen und Neues bringen. Ein sehr positives Beispiel dafür sind für mich – eine geradezu rühmliche Ausnahme – die Wiener Festwochen 2014.
In keinem Bereich ist die leitende Person so einflussreich und wichtig, im positiven und im negativen Sinn, wie in den Kultureinrichtungen. Es hängt enorm viel davon ab, wer das ist, denn in Kunstinstitutionen sollte keine Demokratie herrschen. Einer bestimmt, was gespielt wird, mit wem es gespielt wird, aber auch was nicht gespielt wird. Letzteres ist genau so wichtig.
Ein offener, ein neugieriger Mensch, der nach Qualität sucht, der eine Überzeugung hat und dafür brennt, wie dieser Hinterhäuser bei den Festwochen, kann beweisen, was mit geringen Mitteln möglich ist. Ich bin absolut nicht der Meinung, dass mehr Geld auch höhere Qualität bedeutet. Das ist nicht so, auch nicht das Gegenteil. Heute ist die Welt auf das Materielle, nur auf das Geldverdienen und den Besitz gerichtet. Der Mensch entwickelt sich entsprechend und bedingt durch diese Umstände hat Kunst und Kultur eine immer geringere Relevanz.

BW: Die großen und bekannten Komponisten, der sehr gelobte und Österreich seine Identität gebende Mozart, waren doch in gewisser Weise Revolutionäre ihrer Zeit? Fehlt es uns heute in der Kultur an Revolutionären?
Holender: Ich möchte das Wort Revolutionär nicht überstrapazieren oder in diesem Zusammenhang verwenden. Sicher, die eigene Überzeugung, das Glühen und die Individualität bekommt eine geringere Anerkennung. Auch Komponisten sind nur Menschen. Wenn Sie wollen, verteidigt das die Annäherung von Richard Strauss an das damalige Regime. Er wollte aufgeführt werden. Heute ist es nicht unähnlich, nur das Regime ist nicht mehr kriminell. Aber man versucht durch Werbung und die Annäherung an die Wirtschaft, auch durch die Präsenz bei Großveranstaltungen sein eigenes Leben zu bestreiten. Noch immer sind Künstler eine Ausnahme, ein Ausnahmephänomen in dieser Welt. Ein Künstler gibt ja mehr als er nimmt. Er schenkt den Menschen etwas mit seinem Talent. Es ist auch ein Imperativ des Schaffens, wenn man etwas zu sagen hat, wenn man eine Stimme hat, die durch Schönheit, Größe und Sinnlichkeit einen kommunikativen Effekt hat. Nicht nur um in den Medien vorzukommen und in den Illustrierten zu stehen. Die Kulturkritik in den Zeitungen ist nicht hilfreich, sondern schadet mehr als sie hilft.

BW: Lassen Sie uns einen Fokus auf die heutige Situation der Künstler geben. Sie haben in Ihrer langjährigen Tätigkeit über Karrieren, über Erfolg und Misserfolg entschieden, aber auch Karrieren möglich gemacht, um es positiv zu sehen.
Holender: Für mich war immer die Leistung wichtiger als der Name. Ich habe nicht über Erfolg und Misserfolg entschieden, das taten die Konsumenten, das heißt das Publikum. Aber ich ließ mich auch nicht vom Applaus oder der Ablehnung beeinflussen. Ich meinte zu wissen, was wirklich eine Qualität hat. Qualität muss nicht immer Erfolg sein und Misserfolg bedeutet nicht immer eine schlechte Qualität. So komme ich auf Inszenierungen zu sprechen: Die Inszenierungen von Musiktheatern hat eine unangemessene Bedeutung bekommen, bedingt durch die permanente Inzesthandlung, in dem man immer nur ein Kernrepertoire, also die bekannten Werke spielt. Die Menschen glauben, sie hätten zu den bekannten Werken einen leichteren Zugang als zu den unbekannten Werken. Einen neuen Zugang sollte man ermöglichen, mit der Uraufführungen von Neuem, aber auch der Erschließung von unbekannt Gewordenem. Wir wissen so viel über alles was vernichtet wurde und aus dem Bewusstsein der Menschen genommen wurde in diesen wenigen zwölf Jahren der Herrschaft des Dritten Reiches, aber es ist bis heute getilgt. Wiedergutmachung wurde versucht. Nur, wie ich immer sage, wieder gut machen kann man gar nichts, man kann es nur gut machen. In ganz geringen Maßen ist es geschehen. Ich habe Ernst Krenek wieder gebracht und dachte es wird Folgen haben, aber es hatte keine Folgen. Merkwürdigerweise haben wir mit Korngolds „Toter Stadt“ eine Vorreiterrolle gehabt und eine weltweite Wirkung erreicht. Es war eine glückliche Ausnahme, leider aber nicht die Regel. Hier könnte die Europäische Gemeinschaft wirken. Wenn wir nur im Kulturbereich die entsprechenden Persönlichkeiten hätten. Doch auch hier spielt die Parteipolitik eine Rolle. Denn die Abgesandten sind keine Kenner und keine Kämpfer. Das geht bis zur Leitung von Opernhäusern und Theatern, die meist politisch besetzt sind, das heißt von der Parteipolitik abhängt sind. Das ist ja das Hauptproblem. Manchmal hat man Glück.

BW: Ob durch Zufall oder Glück, es gibt dann doch immer wieder Persönlichkeiten, die die Gesellschaft aufrühren. Sie haben Markus Hinterhäuser genannt, der, wenn ich Ihnen widersprechen darf, nicht aus dem Nichts kam, schließlich war er schon in Salzburg verantwortlich.
Holender: Hinterhäuser kennt man nicht durch seine Anwesenheit bei verschiedenen Events.

BW: Er ist immer noch Künstler.
Holender: So ist es. Er ist Künstler. Er ist das Werk. Hinterhäusers Erfolg ist das was er tut und nicht seine eigene Person. Ohne dass er in irgendeiner Weise das Besondere pflegt und hegt. Von der Person Hinterhäuser lesen und wissen Sie nahezu nichts. Es ist auch nicht wichtig. Nach den Jahren der Geldvernichtung bei den Wiener Festwochen, in denen nichts geschehen ist, kommt dieser Hinterhäuser und zeigt, was möglich ist. Das kann man nicht genug betonen. Ich will keine Vergleiche zu andern Wiener Einrichtungen machen, aber er hat bewiesen, dass das Unmögliche doch möglich ist.

BW: Freuen Sie sich auf seine Intendanz in Salzburg?
Holender: Er hat die Latte jetzt sehr hoch gelegt und wird es selbst bei den nächsten Wiener Festwochen schwer haben, denn umso besser etwas ist, desto mehr erwartet man.

BW: Als Fan hat er sie zumindest schon gewonnen und das ist doch ein enormer Erfolg.
Holender: Ich bin kein Fan, habe jedoch Respekt, Anerkennung und Sympathie für diesen Mann. Er ist ja nicht der einzige, obwohl eben einer der wirklich etwas gemacht hat. Man könnte auch die Münchner Oper nennen. Sie ist plötzlich das beste Opernhaus Europas geworden.

BW: Ist das so?
Holender: Ja.

BW: Die Wiener Staatsoper ist im Schatten?
Holender: Nein, das haben Sie gesagt. Also, wir können über alles sprechen und ich kommentiere alles, was Sie wünschen, aber ich kommentiere sicher nicht das Haus, das ich in Ehren, mit Freude, mit Anerkennung und völlig in Ordnung verlassen habe. Die Geschehnisse in der Wiener Staatsoper kommentiere ich nicht. Die Bayerische Staatsoper, war eines der wichtigen, aber nicht sehr wichtigen Opernhäuser Europas. Nun verändert hat sich etwas durch Regisseure, Sänger und einen außerordentlichen Dirigenten, diesen Kirill Petrenko, der aus der russischen Provinz kam. Er wurde über die Volksoper, Meiningen, die Komische Oper, also über kleine Häuser zum Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, wo er wirklich Außerordentliches leistet. Viel mehr braucht es ja nicht. Es ist nicht so schwer. Ich bin nicht der Meinung, dass das Ganze so schwer ist. Ich meine nicht, dass ich es in der Oper so schwer hatte. Wenn man nicht zu viel nach rechts und links hört, es nicht jedem recht machen will und wenn man nicht danach sucht, kommt man leichter zum Erfolg. Wie Sie gesagt haben, natürlich haben wir das Recht auf Misserfolge und Niederlagen auf Suche nach der Qualität und nach dem, was wir den Menschen, die zu uns kommen, geben wollen.

BW: Lassen Sie uns über junge Künstler sprechen, sowie den Erfolg und Misserfolg. Die jungen, heranwachsenden Künstler, die nächste Generation träumt vom Erfolg. Sie träumt vielleicht von einer großen Karriere, die von großen Namen geprägt ist, und vergisst oder spürt dann wenig den musikalischen, den künstlerischen Auftrag dahinter. Wie schätzen Sie das heutige Ausbildungssystem ein? Was würden Sie jungen Künstlern heute für Ihre Zukunft wünschen?
Holender: Wenn man die Handhabe hätte, als Geldgeber, als Kulturminister, als Bürgermeister oder als Landeshauptmann, dann würde ich jenen Landestheatern, die kein Ensemble mehr haben, sondern nur Gäste engagieren, keine Subventionen geben. Jung Künstler müssen die Möglichkeit haben zu wachsen. Sie müssen die Möglichkeit haben, falsche Rollen zu singen, um darauf zu kommen, dass sie die falschen oder die richtigen sind. Dieses Gästesystem, wo die gleichen Künstler immer mehr verdienen, nimmt den Anfängern die Möglichkeiten mit einem entsprechenden Gehalt zu wachsen. Ich habe den Jungen, die ich engagiert habe und die in der Zwischenzeit teilweise weltberühmt geworden sind, am Anfang gerade so viel gezahlt, dass sie davon mit Anstand leben konnten. Das war immer um die 2.000 Euro im Monat, nicht mehr. Mit diesem Gehalt ist es möglich, hier eine entsprechende Existenz zu bewältigen.
Natürlich wächst das dann mit der Zeit, aber auch nur stufenweise und nicht plötzlich. Nach einer gewissen Zeit habe ich vielen gesagt, sie sollen jetzt weggehen, denn hier singen sie wunderbar, aber nur kleine und mittlere Rollen, jetzt müssen sie aber Hauptrollen singen. Nur das konnte ich hier nicht ermöglichen, weil die Stimmen noch nicht so groß oder entwickelt ist. Aber wo sollen sie hingehen. Wenn man das Starsystem jetzt schon in österreichischen Landestheatern pflegt, dann singen die gleichen, die hier sind auch dort. Das ist eine ganz schlechte Entwicklung und dafür würde ich kein Geld geben.

BW: Wäre ich jetzt ein junger Künstler, ein Sänger, und würde Sie auf Knien bitten, geben Sie mir ein Rezept, wie ich erfolgreich sein werde, was können Sie mir raten?
Holender: Auf Knien muss niemand bitten. Ich glaube Talente sind ein bischen von Gott oder der Natur gegeben. Künstlerisches entscheidend, ist die Schönheit eines Timbre, egal ob das ein Geiger oder Sänger ist. Man vermittelt eine Sensualität. Es ist nicht nur die Intellektualität, sondern auch die Sinnlichkeit. Sinnlichkeit spielt in der Musik eine Rolle. Gefühle vermitteln Geschichten. Viele wollen diesen Beruf ergreifen, wenige sind dazu berufen. Ich gehörte zu jenen, die den Betreffenden die unangenehme Wahrheit gesagt haben. Sie werden sich quälen und sie werden ihr Leben nicht damit bestreiten können, was sie am liebsten machen, also Singen oder im Orchester spielen. Es gibt natürliche Grenzen und die Mehrheit schafft es nicht. Es ist keine Tragödie, wir wissen, dass dies zum Künstlertum gehört. Am Anfang sollten sie an den kleineren Theatern vorsingen. Hier kommt auch dem Agenturwesen eine Bedeutung zu, das sich aber radikal verändert hat. Ich habe diese Tätigkeit 22 Jahre ausgeübt. Ich verstand mich als Vermittler, man sprach ja auch von der Bühnenvermittlung. Es diente beiden, sowohl den Arbeitssuchenden, also den Künstlern, als auch den Arbeitgebern. Die Tätigkeit des Bühnenvermittlers war, die richtige Person an den richtigen Platz zu bringen und nicht die Vertretung von Künstlern, die ja noch gar nicht begonnen hatten. Sie mussten mit allen arbeiten, die ihnen Arbeit verschafften. Die Aussichten und die Möglichkeiten sind heute größer als sie früher waren. Die Welt ist offener. Nun singen auch Österreicher in Ländern hinter dem früheren „Eisernen Vorhang“. Auch in Ungarn fängt es an oder fing es an. Jetzt passiert, bedingt durch die nationale Ausrichtung, eine Rückentwicklung. Früher war nicht daran zu denken, in diesen Ländern eine Arbeitsmöglichkeit zu finden. Summa summarum, durch das freie Europa, nennen wir das jetzt einmal so, hat es sich erleichtert. Was ich am Anfang unseres Gespräches gesagt habe, finde ich ganz wichtig: alle sollen die gleichen Rechte haben, egal aus welchen Ländern sie kommen.

BW: Auch muss man daran arbeiten, unsere Schätze der Kultur in den verschiedensten Ländern bekannt zu machen, auch in den ärmeren Ländern.
Holender: Die Subventionierungspolitik läuft falsch. Den wichtigen, reichen und bekannten Instituten gibt man immer mehr und mehr. Ich lese so viel vom Sparen. Ich habe eigentlich in der Oper nie gespart, aber sehr genau überlegt, wofür ich nicht bereit bin, Geld auszugeben. Inszenierungen sind eine Illusion, die wir vermitteln. Beim Kostüm ist die Qualität eines Leders oder Stoffes für den Zuschauer irrelevant. Die Wünsche der Regisseure können nicht widerstandslos sein, schließlich sind sie nur ein Teil des Ganzen. Neben dem was man sieht braucht es auch Sänger und ein Orchester, um das Werk zu vermitteln. Alles ist viel teurer geworden, bedingt auch durch die technischen Errungenschaften unserer Zeit. Die neuen technischen Anforderungen haben die Theater meist nicht, weil sie alle rund hundert Jahre alt sind und nicht dafür gebaut wurden. Diese Entwicklung ist nicht nur sehr teuer, sondern entfernt immer mehr vom eigentlichen künstlerischen Akt. Man könnte dem entgegenwirken, wenn wir die richtigen Personen hätten. Bedingt durch kurzfristige Verträge und dem Wunsch im Amt zu verbleiben, so wie wir das von den Politikern kennen, steht das auch für die Direktoren der Theater im Vordergrund. Ich möchte mich nicht auf das Thema Burgtheater einlassen, aber es ist kein Zufall, dass das dort passiert ist, was passiert ist und das überhaupt passieren konnte. Ich komme zur Europäischen Union zurück. Es ist wichtig, dass auch die Mandatare, die für die Kunst oder Kulturpolitik in Europa zuständig sind, mehr wissen würden und eine eigene Meinung hätten. Man sagt, wer für sein Vorhaben geschickt Papiere nach Brüssel sendet, kann viele Gelder bekommen. Ich weiß von Beispielen, dafür würde ich gar nichts zahlen, aber die Bürokratie unterstützt das. Kein Wunder, wenn man das nur mit Beamten bewältigt, wird sich nicht viel ändern.

BW: Zum Abschluss möchte ich sie fragen, wenn sie jetzt Visionär oder Prophet sein könnten, was wäre Ihre Vision für ein Europa in 100 Jahren?
Holender: In 100 Jahren wird sich wahrscheinlich die Anzahl der nationalen Länder nicht verändert haben. Meine Vision wäre, dass es keine Ängste vor den Individualitäten dieser Länder gibt, auch was die Sprachen betrifft. Diese finde ich ganz wichtig. Leider spricht man im Europa von heute immer weniger Sprachen. , weil jeder dieses neue Esperanto – die englische Sprache – spricht. Ich hoffe, dass dann nicht alle einfach nur noch Englisch sprechen. Dann wäre mein Wunsch, dass man es wirklich schafft, keine armen Länder im Bewusstsein zu haben.

BW: Wie wird es im Bereich der Musik sein, gibt es in 100 Jahren noch Oper?
Holender: Mit Sicherheit. Wir reden seit 400 Jahren davon, seit es dieses merkwürdige Gesamtkunstwerk Oper gibt. Man wird mehr Vergessenes entdecken und natürlich kommen auch neue Werke dazu. Es ist doch ein wichtiges Zeichen, wenn man für „Die Soldaten“ von Zimmermann an der Bayerischen Staatsoper keine Karten bekommt. Ja ich bin optimistisch, wie Europa in 100 Jahren sein wird, weil ich doch an die Fähigkeit der Gattung Mensch glaube, das Gute zu erkennen und vom Schlechten unterscheiden zu können.

BW: In 100 Jahren schlägt jemand ein Geschichtsbuch auf, findet darin ein Kapitel über die Wiener Staatsoper und ihren Direktor Ioan Holender. Was liest er da für Zeilen?
Holender: Wahrscheinlich, dass er dort am längsten gesessen ist. In 100 Jahren werde ich diesen Rekord vielleicht dann nicht mehr halten. Eigentlich ist es auch ganz unwichtig. Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht sehr. Was um die eigene Person gebaut wird, das ergibt sich von selbst, das kann man nicht – soll man nicht beeinflussen. Es ist mir wirklich nicht so wichtig, was man da über die Person Holender liest. Es wird auch nicht alles wahr sein, was man dort liest, im Positiven wie im Negativen. Es ist schön genug und eine Genugtuung, dass man dort überhaupt über die Person Holender etwas liest.

BW: Herr Holender vielen, vielen Dank für das Gespräch.

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Die transkribierte Fassung des Interviews wurde redaktionell bearbeitet und wurde von Herrn Holender autorisiert.

IOAN HOLENDER wurde in Timisoara (Rumänien) geboren und lebt seit in Österreich. Er studierte Gesang am Konservatorium der Stadt Wien und war von 1962 bis 1966 als Opernbariton und Konzertsänger tätig. 1966 trat Holender als Mitarbeiter in eine Bühnenvermittlungsagentur für Oper und Sänger ein, die er nach einigen Jahren übernahm.

Im Jahr 1988 wurde er als Generalsekretär an die Wiener Staatsoper und Volksoper Wien berufen und ab April 1992 zum Direktor beider Häuser bestellt. Bei der ersten Verlängerung seines Staatsopernvertrages (1996) bat er um Entbindung aus seiner Tätigkeit als Volksoperndirektor. Er wurde als Direktor der Wiener Staatsoper von drei verschiedenen Regierungen schlussendlich bis August 2010 verlängert und ist somit der längst amtierende Direktor seit dem Bestehen des Hauses.

Er ist künstlerischer Direktor des internationalen Musikfestivals und Musikwettbewerbs George Enescu in Bukarest und künstlerischer Berater der Metropolitan Opera New York und des Spring Festivals Tokyo.

Beim Fernsehsender ServusTV betreut er als Gestalter und Moderator die Serie „kulTOUR mit Holender“ und im Hangar 7 moderiert er jeweils im August Gesprächsrunden.

Seine Autobiographie „Ioan Holender – Der Lebensweg des Wiener Staatsoperndirektors“ ist 2001 im Böhlau Verlag Wien erschienen. 2010 folgte „Ich bin noch nicht fertig“, das Buch ist im Zsolnay Verlag erschienen.

BENEDIKT WEINGARTNER studierte Theologie, Philosophie und Musikgeschichte. Er war Benediktinermönch im Stift Lambach, wo er für den Kulturbereich zuständig war, im Gymnasium unterrichtete und ein Kammermusikfestival gründete. Nach 10 Jahren zog er nach Wien und wurde Junior-Partner einer bekannten internationalen Künstleragentur, die er später übernahm. Er war Vorstandsmitglied des Europäischen Verbands der Konzertdirektionen und zuletzt dessen Vorsitzender. Seit der Gründung ist Benedikt Weingartner Generalsekretär der europäischen Plattform „Music in Europe“.

 

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