Das Lesecal – Neuer Ansatz für Kindertheater

Ein Beitrag von Jan Schäfer, Frank Serr Showservice International

Schon oft wurde unter Kulturschaffenden darüber diskutiert, wie man dem Nachwuchs das Theater schmackhaft machen kann. Diverse Ansätze hat es ja bereits gegeben – vom Mitmachtheater, über kindgerechte Opern, bis hin zur Inszenierung aktueller Zeichentrick-Serien ist praktisch alles vertreten. Und dennoch reißen die Klagen der Theatermacher über die geringe Nachfrage in dieser Sparte nicht ab. Einige haben für diesen Missstand die vernachlässigte kulturelle Bildung in Schulen und Kindergärten ausgemacht. Andere sehen die Schwachstelle eher im Elternhaus. Aber egal wie man es dreht und wendet, die Verantwortung für die Programmgestaltung obliegt den Theatern und irgendwo muss eben ein Anfang gemacht werden.

So könnte auch Tom Lehel gedacht haben, als er das Konzept für „Land der Träume“ ersann. Der umtriebige Moderator, Sänger, Schauspieler und Kinderliedermacher erfand kurzerhand ein neues Genre – das Lesecal. Der Begriff ist abgeleitet aus Lesung und Musical und beschreibt schon recht genau, was den Besucher bei „Land der Träume“ erwartet. Den roten Faden der Veranstaltung bildet die Lesung aus dem gleichnamigen Kinderbuch – einer phantastischen Geschichte über Freundschaft, Mut, Respekt und die Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern. Weil aber eine reine Lesung längst nicht mehr ausreicht, um auch diejenigen zu erreichen, die man sonst nicht im Theater antrifft, lässt Lehel die Geschichte von fünf Schauspielern in den Kostümen ihrer jeweiligen Rollen lesen und hebt zusätzlich die Schlüsselszenen durch Gesangseinlagen hervor. Zusammen mit einer abgestimmten Beamer-Präsentation, auf der Illustrationen aus dem Kinderbuch gezeigt werden und einer phantasievollen Dekoration, wird aus einer Lesung ein Event.

Tom Lehel auf die Frage, was das Lesecal so besonders macht: „Das Lesecal ist so besonders, da man hierbei richtig erkennt, wer mit seiner Stimme, als Schauspieler arbeiten kann. Hier ist es die Kunst, nur durch das Lesen, die Menschen emotional zu verzaubern. Für jeden Darsteller eine sehr hohe Herausforderung. Hiermit wird bewiesen wie mächtig das Lesen ist und wie sehr es auf uns wirken kann. Abgerundet wird die leserische Leistung durch den Gesang und durch die atmosphärischen Sounds und Musikbetten, die es einem noch mehr erleichtern „Tom Lehel’s Land der Träume“ zu erleben. Gleichermaßen fördert das Lesecal auch das Zuhören. Es unterstützt die Fantasie in uns, die Antrieb für Kreativität ist. Jeder kann sich eigene Bilder im Kopf kreieren und seinen eigenen Film im Kopf schaffen. Erlaubt ist es auch die Augen zu schließen und nur das Zuhören zu genießen. Es ist eine neue Form der Unterhaltung, die Kinder oder die Erwachsenen nicht durch große visuelle Effekte überfordert, sondern aktiv auf emotional, angenehme Weise unterhält.“

Lehel hat auch verstanden, dass es nicht die Kinder sind, die Eintrittskarten kaufen, sondern die Erwachsenen. Und gerade, wenn man sich zum Ziel gesetzt hat auch diejenigen ins Theater zu locken, die bislang keine Affinität zur Bühne hatten, ist dies ein wichtiger Aspekt. Die beste Aufführung erzielt keine Wirkung, wenn sie niemand sieht. Frank Serr, der die Show produziert und die Tourneeplanung übernommen hat, und Tom Lehel bestehen deshalb darauf, dass „Land der Träume“ als Familien- und nicht als Kinderstück zu bezeichnen. Dazu Lehel: „Das Lesecal ist ein Familienstück, da es alle Generationen anspricht. Die Werte wie Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit und Selbstbewusstsein werden passend der Altersgruppen vermittelt, da der Inhalt von „Land der Träume“ unser aller Leben wiederspiegelt. Jeder findet sich in der Geschichte wieder, wie auch die alltägliche Angst, die viele Menschen beherrscht. „Tom Lehel’s Land der Träume“ weckt das Positive in uns und zeigt, dass die Ängste und Sorgen des Lebens besiegt werden können, wenn man an sich glaubt.“

Eine Idee, die Anklang findet. Die erste Vorsitzende des Bundesverband Leseförderung e.V., Barbara Knieling, schreibt: „Wir empfehlen das Lesecal, weil es dem Traum vieler Kinder und Jugendlichen, eines Tages ebenfalls auf einer Bühne zu stehen, ganz nebenbei die Botschaft mitgibt, dass sie dafür Lesen können müssen. Die Grundlage – egal ob Show oder Film – ist das geschriebene Wort, das zur Entfaltung kommt. Das passiert nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den eigenen vier Wänden, wenn eine Lektüre zur Hand genommen und gelesen wird. Wir sind davon überzeugt, dass die sichtbare Integration des Buches ins Lesecal Kinder und Jugendliche motivieren kann, selbst mal wieder zu lesen und eigene Leseerfahrungen zu sammeln. Und wenn sie das freiwillig tun, geht unser Traum in Erfüllung.“ Und auch Friso de Jong, Programmleiter Kinderbuch LINGEN Verlag Köln, sagt: „Die zeitlose und generationenübergreifende Geschichte vom „Land der Träume“ in dieser neuen und besonderen Form als Aufführung sehen zu können, ist ein großes Glück. Die positiven Reaktionen der kleinen und großen Besucher und die Empfehlung des Bundesverbandes Leseförderung geben Tom Lehel und seinem Konzept der modernen Lesung recht.“

Ergänzt wird das Konzept übrigens durch ausführliches, pädagogisches Begleitmaterial, welches von der Diplom-Pädagogin und Autorin Dr. Birgit Ebbert erstellt wurde und so aufbereitet ist, dass es sich nicht nur an Pädagogen, sondern auch Eltern richtet. Das Begleitmaterial, sowie das Lesecal sind, laut Angabe ab vier Jahren geeignet.

Erste Erfolge konnte „Tom Lehel’s Land der Träume“ bereits feiern. Seit Dezember 2014 fanden Aufführungen vor insgesamt 15.000 Zuschauern statt. Bei der Premiere in Elspe saßen 3.500 Personen im Publikum und in den 18 Aufführungen im GOP in Bad Oyenhausen begeisterte das Lesecal immerhin 6.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Sollte es also sein, dass es gar nicht notwendig ist sich dem Mainstream anzubiedern, um Kinder bzw. Familien in die Theater zu locken? Ist es die schnöde Lesung, die einfach in neuem Gewand daherkommt und die Lösung bringt? Vermutlich würde das den meisten Theatermachern sehr entgegen kommen. Denn hier böte sich die Gelegenheit ein Programm anzubieten, dass sowohl einem pädagogischen Anspruch gerecht wird, als auch das Potential hat Säle zu füllen.

Bei Frank Serr Showservice International e.K. erfährt man, dass die Tourneeplanung auf Hochtouren läuft und dass das Lesecal ab Januar 2017 wieder unterwegs sein wird. Mit der überregionalen Bewerbung wird laut Serr noch in diesem Sommer begonnen. Ein abgestimmtes PR-Konzept soll die Promotion über TV-, Radio- und Print-Medien, sowie über namhafte Präsentatoren wie z.B. McDonalds beinhalten. Wer also noch Kapazitäten bei der Veranstaltungsplanung hat, der sollte schnell zuschlagen. Weitere Informationen und Downloads, z.B. das pädagogische Begleitmaterial, sind auf der Homepage von Frank Serr Showservice International e.K. zu finden www.showservice-international.de

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