Wie sieht die Bühne der Zukunft aus?

Hans von Burkersroda
Geschäftsführer der Kultour Veranstaltungsservice GmbH
(Kultour baut überwiegend Bühnen im Außenbereich)

1. Organisation der Bühne der Zukunft
Spezialisierte Fachfirmen bauen bundesweit Bühnen aller Größe. Trend zum Full-Service: Kunde wünscht Leistungen aus einer Hand. Kommunale Kunden, die Bühnen besitzen, tauschen ihre alten, sehr personal-aufwändigen Exemplare gegen solche mit geringem Personaleinsatz.

2. Technik der Bühne der Zukunft
Modulare Bühnensysteme –> Layher-Großbühne, Trailerbühnen –> ALPHAStage, Willy

Alles, was schnell geht und Personal spart, hat Chancen. Zusatznutzen durch neue, schnelle Systeme: neuartige Veranstaltungskonzepte, kurzfristig organisiert und mit geringen Vor- und Nachlaufzeiten.

3. Finanzielle Situation der Bühnentechnik in Zukunft
Die Lage der öffentlichen Haushalte ist desolat. Investitionsentscheidungen werden auf die lange Bank geschoben. Kaufentscheidungen fallen zunehmend zugunsten von Systemen mit hoher Produktivität, also mit z.T. hohen Anschaffungs-, aber geringen Einsatzkosten. Kommunen denken über Leasing nach.

 

Rainer Münz, Technischer Direktor Schauspiel Frankfurt

1. Organisation der Bühne der Zukunft
Ein einheitliches Bild der Zukunft kann es in Bezug auf die Bühnen nicht geben. Die Anforderungen und Ausgestaltungen sind abhängig von der jeweiligen Situation, im Fall der Städtischen Bühnen Frankfurt und anderer kommunaler Bühnen werden auch in Zukunft die Rahmenbedingungen maßgeblich durch den Kulturauftrag vorgegeben. Die Technik wird sich dementsprechend auch in Zukunft an den künstlerischen Vorgaben orientieren. Dabei spielt in unserer Mediengesellschaft der gestiegene Anspruch des Publikums eine wichtige Rolle, das beeinflußt durch TV und Film gewisse Standards erwartet. Bühnen müssen daher in Zukunft mit neuen Techniken und Standards mithalten, insbesondere in Punkto Video und Audio.

In Bezug auf das Personal ist logischer Weise eine immer professionellere Ausbildungen erforderlich. Je nach Bühnenart ist vor allem auch mit einer Zunahme an Aufgaben für Spezialisten zu rechnen. Entsprechend häufig wird man in Zukunft auf externe Dienstleister zurückgreifen, da diese Spezialisten nicht im Personalstamm vorgehalten werden können.

2. Technik der Bühne der Zukunft
Auch das ist je nach Bühnenbetrieb und Kommune unterscheidlich. Viele Theater im kommunalen Bereich verfügen heute über eine gute Technik. In den letzten Jahren wurden vielerorts beträchtliche Ersatzinvestitionen geleistet, bis hin zu Neubauten. Beispielsweise wird im Frankfurter Schauspielhaus die komplette Untermaschinerie im kommenden Jahr saniert. Allerdings gibt es auch ein großes Feld an Betrieben mit veralterter Technik und somit einen beträchtliche Nachholbedarf. Dies gilt auch für die Obermaschinerie im Frankfurter Schauspielhaus, immerhin dem größten Stadttheater in Deutschland. Diese entspricht nicht mehr den Standards und basiert auf der Technik der endfünfziger und sechziger Jahre.

3. Finanzielle Situation der Bühnentechnik in Zukunft
Die finanzielle Zukunft einer Bühne ist im wesentlichen abhängig von der finanziellen Ausstattung der jeweiligen Kommune. Während man immer häufiger von Schließungen hört, gibt es daneben auch Städte die sich neue bzw. zusätzliche Spielstätten leisten. Damit ist auch weiterhin zu rechnen. In Frankfurt scheint die Politik ebenfalls gewillt, die zukünftigen Investitionen anzugehen. Der technische Bereich verfügt jedoch nicht über die oberste Priorität. Zudem läßt sich die Notwendigkeit von Modernisierungsinvestitionen im Bereich der Bühnentechnik nur selten mit Effizienzsteigerungen oder Personaleinsparungen darstellen. Hingegen lassen sich die gestiegenen Publikumsanforderungen und erwartungen an eine gute Inszenierung mit moderner Technik besser erfüllen. Die Verbesserung der künstlerischen Möglichkeiten kann wiederum die Qualität des Produktes steigern und damit das Image eines Hauses sowie die Zahl der Zuschauer verbessern. Die Bedeutung technischer Investitionen ist somit nicht zu unterschätzen.

 

Andreas Rescheneder
Geschäftsführer
system provider
Theater & Tournee Produktions GmbH, Wien

1.     Organisation der Bühne der Zukunft
Ich denke das die immer größer werdende Komplexität der Notwendigkeiten auf Theater- und Showbühnen eine Focusierung auf spezielle Gebiete benötigt, die jedoch auch immer öfter von temporär beauftragten Zulieferfirmen (outsorced ) bearbeitet werden muss. Dies ermöglicht die jeweils bestmögliche Version finanziell sowie materialseitig zu verwenden. Der Mensch ist auch in Zukunft das wichtigste Bindeglied und absolut nicht ersetzbar! (Die Anzahl wird sich weiter verringern,  was aber nicht zwingend negativ sein muss!)

2.     Technik der Bühne der Zukunft
Der technische Fortschritt in der Bühnentechnik ist nach wie vor ein sehr schwieriges Thema, da die erforderlichen Bedürfnisse nie zur vollsten Zufriedenheit des einen oder anderen gelöst werden können. Technik ist wichtig und erleichtert mitunter, ist visionär und gleichzeitig gefährlich! Die Zukunft wie bereits die Gegenwart ist von Technik beherscht. Jedoch ohne Gefühl, Inspiration und Idee ist Technik nur ein Helfer ohne Ziel.

3. Finanzielle Situation der Bühnentechnik in Zukunft
Es ist immer so viel Geld vorhanden wie die Gesellschaft bereit ist für Kultur zu geben. Ich stehe auf dem Standpunkt das die Show, das Theater gefordert ist, das, was es auszeichnet, nämlich das Erlebnis im Theater, in der Halle oder wo auch immer, ein Teil des Ganzen zu werden und Emotionen zu wecken, die kein anderes Medium zu wecken vermag! Dafür wird es so hoffe ich immer Geld geben!

 

Karin Winkelesser
Vorstandmitglied der OISTAT (Internationaler Verband der Bühnenbildner-, techniker und Theaterarchitekten) und Redakteurin der BTR

1. Organisation der Bühne der Zukunft
Theoretisch sind in Deutschland alle Voraussetzungen für einen optimal funktionierenden Bühnenbetrieb bereits jetzt erfüllt: In der Bühnentechnik lassen sich fast alle Wünsche realisieren, und im Bereich der Ausbildung ist mit der Fachkraft für Veranstaltungstechnik, dem Meister und Diplomingenieur eine zukunftsorientierte Ausbildungsschiene institutionalisiert worden, die auf allen Ebenen zu einem umsichtigen und effektiven Arbeiten befähigt. Besonders Bühnentechniker werden von den neuen Technologien gefordert: wenn moderne Bühnentechnik installiert ist, werden zunüchst alle Bewegungen schneller, mehr Arbeitsabläufe künnen und müssen parallel erledigt werden, die früher nacheinander erfolgten. In künstlerischer Hinsicht entstehen gleichfalls neue Möglichkeiten. Die Regisseure und Bühnenbildner brauchen aber von den Technikern die Informationen über die nicht sichtbaren Möglichkeiten. Kunst und Technik rücken prinzipiell also enger zusammen. Die Chance für eine konstruktive und effektive Arbeit auf der Bühne liegt meines Erachtens in der Entwicklung von Modellen, die eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Kunst und Technik fördern.

2. Technik der Bühne der Zukunft
Bei der Technik hat die Zukunft längst begonnen. Die in den großen Häusern installierten modernen Büchnenmaschinerien haben eine Kapazität an Lastaufnahme und Geschwindigkeit, mit der die physiologischen Grenzen des Machbaren bereits jetzt erreicht sind. Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, d.h. ein Zug mit voller Last und Geschwindigkeit heruntersaust, bekommen es die Techniker anfangs schon mit der Angst zu tun. Die technologische und preisliche Entwicklung besonders der Steuerungsanlagen ist in den letzten Jahren so weit fortgeschritten, dass sich auch kleinere Häuser -Computer gesteuerte Anlagen „leisten“ können. Technisch ist es jetzt bereits möglich, Vorstellungen „per Knopfdruck“

zu fahren. Nach wie vor gibt es aber –  selbst wenn Geld für eine „High-Tech“ Renovierung vorhanden ist, Befürworter eines manuellen oder gemischten Betriebes. Zudem wird die Einrichtung der Vorstellungen und Proben nie per Knopfdruck funktionieren. Insofern kann moderne Technik zwar die Arbeit erleichtern und effektivieren, ein Theaterbetrieb per Mausklick ist aber zum Glück nicht vorstellbar.

3. Finanzielle Situation der Bühnentechnik in Zukunft
Die finanzielle Notlage der Städte und Gemeinden hat auch dazu geführt, dass staatlich geförderte Kunst nicht mehr als primäre gesellschaftliche Notwendigkeit sondern auch schon mal als überflüssiges Privileg angesehen wird. Gerade jetzt ist das für die Theater katastrophal. In der Mehrzahl stammt ihre Technik aus den 60-er und 70-er Jahren und ist dringend renovierungsbedürftig. Den Politikern fehlen oft Mut und Visionen zur Durchführung der notwendigen, zugegebenermaßen kostspieligen Investitionen für eine gründliche und fachgerechte Renovierung, die sich aber durch die Schaffung effektiverer Arbeitsstrukturen mittelfristig amortisiert. Kurzfristig durchgeführte Reparaturen ohne Gesamtkonzept werden in der Summe teurer und schaffen keine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Veraltete Technik bedeutet Schließung, früher oder später. Das zu verhindern und dem Theater eine zukunftsorientierte Chance zu geben, ist Aufgabe der Verantwortlichen.

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