Veranstaltungsversicherungen

Und dabei ist das Wetter seit eh und je ein Unsicherheitsfaktor für die Veranstaltungsbranche. Doch was ist ein, wegen Regen abgesagtes Konzert gegenüber einem verhinderten Spielzeitauftakt, wie ihn derzeit die Semperoper und das Schauspiel in Dresden erleben. Allein die Schäden an den Spielstätten gehen in die Millionen. Zudem bleiben die Häuser für sechs bis acht Wochen geschlossen. Das heißt: Verluste zwischen 300.000 und 500.000 Euro pro Woche allein in der Semper Oper. Aber nicht nur die Veranstalter selbst, sondern auch deren Partner sind betroffen: Hotels, Busunternehmer, Ticketverkäufer etc. Die Versicherer reagieren indes sofort mit einem Hochwasser und Überschwemmungsausschluss. So wie viele Versicherungen im letzten Jahr ihre Terrorklauseln aus den Vertragswerken gestrichen haben. Risiken von Anschlägen und Unruhen bei Großveranstaltungen sind seitdem – zumindest in Deutschland – nur noch schwer zu versichern. Einige Risiken, die früher in Standardverträgen abgesichert waren, lassen sich heute nur noch als Zusatz abdecken. Zudem erlebte die Branche auch ungeahnte Risiken. So die Absage von Konzerten durch den Veranstalter aus Pietätsgründen oder weil ein Künstler Angst hat sich in ein Flugzeug zu setzen. Während Pietätsgründe über Zusatzversicherungen mit Einschränkungen abgedeckt werden können, gibt es allerdings bis heute keinen Schutz für die Angst des Künstlers. Auch wer als Künstler über eine Gagenausfallversicherung verfügt, kann leer ausgehen, wenn das entsprechende Risiko nicht im Vertrag abgedeckt ist.

Bestehende Verträge prüfen
Insgesamt empfiehlt sich ein Blick auf die Klauseln aller bestehenden Verträge und im Zweifel ein Gespräch mit dem Makler oder Versicherer. „Heute ist mehr den je Beratungskompetenz gefragt. Veranstalter sollten sich vor allem frühzeitig an einen Spezialisten wenden, um die Versicherungsoptionen für das individuelle Risiko zu prüfen“, mahnt Peter Schwandt, Versicherungsmakler bei Heinemann & Henkel in Berlin. „Häufig fehlt den Veranstaltern allerdings diese Vorausschau.“ fügt er hinzu.

„Der Versicherungsmarkt ist eng, schwierig und teuerer geworden“, kommentiert Karim Lakdawala, beim Hamburger Versicherungsmakler Caninenberg & Schouten die aktuelle Marktsituation. Das sich der Markt für Veranstaltungsversicherungen verändert hat, bestätigt auch Christian Gutmair vom Versicherungsmakler Complet Service in Pfaffenhofen: „Vor fünf Jahren gab es etwa zwanzig Risikoträger für Veranstaltungsrisiken, heute sind es nur noch ca. fünf die dieses Geschäft qualifiziert betreiben“. Hinzu kommt, dass die großen Risikoträger, wie z.B. Gerling oder AXA ihre Unternehmen sanieren müssen. Was zum Teil mit höheren Prämienforderungen einhergeht. Zusätzlich tragen die zahlreichen neuen Klauseln dazu bei, dass das Geschäft komplizierter wird. Und nur wenige Versicherungsmakler haben sich auf das Geschäft mit Veranstaltungen spezialisiert (siehe Kasten).

Versicherungsmarkt wird schwieriger
Die Kunden gehen die Preiserhöhungen zum Teil nicht mehr mit, decken einige Risiken nicht mehr ab oder veranstalten auf eigenes Risiko. Zudem ist das Marktvolumen aufgrund der rückläufigen Veranstaltungszahlen, die unter anderem auf den derzeit üblichen hohen Gagenforderungen beruhen, in den letzten Jahren gesunken. Einige Versicherungsmakler, wie z.B. Bernhard Assekuranz in Sauerlach, haben sich bereits aus dem Geschäft mit gewerblichen Veranstaltern zurückgezogen, unter anderem wegen schlechter Erfahrungen in Bezug auf die Zahlungsmoral. Das Veranstalter das Thema Versicherungen oft als kostspieliges und verzichtbares Übel betrachten, weiß auch Bernhard Eberhard von Eberhard, Raith & Partner Assekuranz Makler in München (s. Interview in dieser Ausgabe).

Versicherungsbedarf ist gestiegen
Dabei gibt es viele Gründe, sich zu versichern: Open-Air Konzerte können sprichwörtlich ins „Wasser fallen“, ein Künstler kann aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten oder ein Stromausfall lässt die komplette Veranstaltung im Dunkeln stehen. Technische Probleme z.B. in der Steueranlage der Bühnenmaschinen machen eine Aufführung unmöglich und und und. In solchen Fällen fordern nicht nur Besucher ihr Geld zurück, auch Sponsoren oder Partner, denen Einnahmen aus der Veranstaltung in Aussicht gestellt wurden, stellen Regressforderungen. „Während Ausfall-, Haftpflicht- und Technikversicherungen heute zum Standard gehören, kommt jetzt“, so Christian Gutmair „das Geschäft mit Sponsoren-, Werbung- und Death-and-Disgrace-Versicherungen ins Rollen“. Bis vor einigen Jahren sahen sich Veranstalter im wesentlichen nur Risiken gegenüber, die auf Schäden im direkten Umfeld der Veranstaltung begrenzt waren. Mit den wachsenden Budgets und der heute fast unerläßlichen Beteiligung von Sponsoren, sind weitere Risiken hinzugekommen. Ein Beispiel: Ein Unternehmen unterstützt ein Konzert mit einem Sponsoringbudget von 500.000 Euro, produziert für weitere 200.000 Euro Ware und organisiert begleitende Events für Geschäftspartner und Kunden. Beim Ausfall der Veranstaltung kann vielleicht noch das Sponsoringbudget unter Werbeaufand verbucht werden, die Ware muss aber ggfs. eingestampft werden und bei den Gästen steht das Unternehmen dumm da. Im Zweifel wird der Sponsor seine Regressforderungen an den Veranstalter richten. Dies ist keine Fiktion sondern bittere Realität. Prominentester Fall ist wohl die Rolling Stones Konzerte, die vor einigen Jahren wegen einer Verletzung eines Bandmitgliedes ausfielen. Jeder Veranstalter sollte daher – so die Empfehlung spezialisierter Versicherungsmakler – prüfen, ob Sponsoren mit in den Versicherungsschutz einzubinden sind. Dabei kann auch ein eventueller Imageverlust durch sogenannte Death-and-Disgrace-Versicherungen abgesichert werden.

Individuelle und risikogerechte Policen sind dabei Multi-Risk-Versicherungen vorzuziehen. Bei letzteren ist zudem die Gefahr einer Überversicherung groß, da die Prämien solcher Produkte häufig nach dem Umsatz eines Unternehmens berechnet werden. Dennoch hat jede Police ihren Preis und der ist in der Regel deutlich angestiegen. Die Prämien für wetterabhängige Veranstaltungen liegen zwischen wenigen Prozent der Versicherungssumme und manchmal sogar 20 Prozent (im Wintersportbereich). Als Trost gibt es bei einigen Versicherungen einen Teil des Geldes zurück, wenn nichts passiert. Angeboten werden Schadenfreiheitsrabatte und „Non Claim Boni“, die im Vorfeld gewährt werden und im Schadensfall nachbezahlt werden müssen.

Wer allerdings auf eine Versicherung ganz verzichten will, sollte zumindest rechtzeitig beginnen für den Fall der Fälle Rücklagen aufzubauen.

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