Das einzige was stört, ist der Gast

– u.a. auf Erfahrungsbasis von zwei Foyerumbauten für die Musicaltheater BUDDY und NEUE FLORA in Hamburg, die gemeinsam mit dem Architekten Uwe Mertens aus Bad Tölz geplant und durchgeführt wurden. Unser Dienstleistungsspektrum für solche Projektierungen umfasst neun Leistungsphasen: Grundlagenermittlung, Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung, Werkplanung, Vorbereitung zur Vergabe, Vergabe, Bauleitung, Übergabe/Dokumentation. Als fast noch wichtiger betrachten wir die „Leistungsphase 0“: In einer gezielten Beratung den Betreiber dafür zu sensibilisieren, worin seine tatsächlichen Probleme und Bedürfnisse bestehen.

Theater stehen zunehmend vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Nicht nur kommerziell-ausgerichtete Häuser wie die großen Musicaltheater müssen den Faktor „Profit“ in ihr Management einbeziehen. Dazu gehören Nutzungs- und Gestaltungskonzepte, um neben dem Spielbetrieb und dessen erfolgreicher Vermarktung auch die Foyerbereiche profitabel zu betreiben. Häufig sind sie bessere „Warte- oder Pausenhallen“, in denen sich vor den Bars, Merchandise-, Sanitär- und Garderoben-Bereichen lange Schlangen bilden. Dabei könnten sie atmosphärisch gestaltete Publikumszonen sein, Teil der Gesamtinszenierung „Theatererlebnis“, in denen gute Umsätze erzielt werden. Von den hierfür erforderlichen Investitionen sollte sich niemand abschrecken lassen. Eine alte Kaufmannsregel lautet: „Man muss Geld in die Hand nehmen, um Geld zu verdienen“. Anders gesagt: Der Aufwand rechnet sich, denn ein gelungenes Foyer- und Gastronomiekonzept erzielt nicht unerhebliche Deckungsbeiträge.

Das Foyer als Profitcenter – wie kann das funktionieren? In vielen Publikumszonen wird Geld verschenkt: vor und nach der Vorstellung, in der Pause. Selten werden Bedürfnisse wie Garderobe-Abgabe, Bewirtung, CD- oder Souvenir-Kauf, WC-Gang etc. „on the spot“ befriedigt. Häufig erinnert das Publikum im Foyer an einen Maikäferschwarm auf dem Orientierungsflug. Das Rollenfach des gut unterhaltenen und aufmerksam bewirteten Gastes ist unterbesetzt. Das mag manchen nicht stören, weil in seinem Kulturbetrieb andere Prioritäten gelten: Sorge um sinkende Besucherzahlen, ein erfolgreicher Spielplan, Modernisierung der Bühnentechnik, Budgetknappheit u.v.a. mehr. Da klingt es fast provozierend, dass er den Theaterbesucher als „Kunden“, betrachten soll – auch, was dessen Bedürfnisse außerhalb des Zuschauerraums anbelangt. Wo fängt das Theatererlebnis für den Gast an? In welcher Stimmung verlässt er das Haus?

Im Rahmen eines Theaterneubaus sind die Publikumszonen optimal planbar. Bei vorhandenen Spielstätten können Umbauten mit überschaubarem Aufwand beträchtliche Erfolge erzielen – unter Aufrechterhaltung des Spielbetriebes. Bei BUDDY z.B. wurde in einer Kernbauzeit von einem Monat das gesamte, mehrgeschossige Foyer umgebaut, inkl. Asphaltierarbeiten. Das geschah hauptsächlich in den Stunden zwischen 24 und 16 Uhr und an spielfreien Montagen. Grundsätzlich zählen nicht nur architektonische Lösungen, sondern „interdisziplinäre“ Modelle auf Basis klarer Nutzungskonzepte. Auch im anschließenden Betrieb entscheidet der Schulterschluss zwischen Kunst, Technik, Gastronomie und Service. (Die oft praktizierte Lösung: Theater auf der einen, Gastronomieverpachtung auf der anderen Seite ist hier nicht unbedingt hilfreich.) Was sind die wichtigsten Entscheidungskriterien? Wie kommt man zur richtigen Planung und Umsetzung? Die Beispiele Buddy (realisiert 1997) und Neue Flora (1. Abschnitt realisiert 2000) zeigen dies auf. Beide Umbau-Projekte hatten zum Ziel, dem Foyer ein neues „Gesicht“ zu geben, um es multifunktional zu nutzen – auch als Location für Firmenfeiern, Produktpräsentationen und andere Events. Die Foyers sollten als kommunikativer Raum, Profit Center, innovative Veranstaltungsstätte und nicht zuletzt als attraktiver Arbeitsplatz gestaltet werden.

Vor der Maßnahmenplanung ist es unverzichtbar, eine exakte Nutzungsanalyse und „Bestandsaufnahme“ vorzunehmen. Hierfür haben wir ein Modell entwickelt. Nicht nur die Analyse der Publikumsströme, logistischen Abwicklung und Arbeitsprozesse, auch ein detaillierter Fragebogen schaffen die entscheidende Faktenplattform für den Betreiber, der neue Lösungen sucht.

In der Foyerkonzeption ist eine der Zentralaufgaben die ideale Flächennutzung. Am Zeichenbrett entstehen oft Lösungen, die ästhetisch schön, für einen Servicebetrieb mit Stoßzeiten-Geschäft aber wertlos sind. Zeit ist Geld, das gilt auch für die Theatergastronomie. Werden Experten mit Theatererfahrung hinzugezogen, kann man „tote Winkel“ – ungenutzte oder falsch genutzte Räume – von vornherein vermeiden. Ist ein Foyer umzugestalten, hilft nach der Nutzungsanalyse ein neuer, an den jeweiligen Dienstleistungen orientierter Flächenplan. Für die NEUE FLORA wurde er in folgende Hauptzonen unterteilt: Öffentliche Flächen (inkl. Bewirtungszonen), Gastronomie/Verkauf (inkl. Restaurants, Bars, Merchandising, Kassen), Küche/Lager/Personal, Garderoben, WC-Anlagen. Das Konzept steht unter dem Zeichen der drei Ls: Licht, Luft und Lust. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als das Schaffen einer Wohlfühl-Atmosphäre für das Publikum. So trivial es klingen mag, zahlt es sich doch aus – für Gäste und Betreiber. (Die mögliche Umsatzsteigerung nach einem Umbau hängt von vielen Faktoren ab, z.B. von einem im Bedarfsfall optimierten Angebot, vor allem aber von dem vorherigen Ausgangswert. Eine Verdoppelung kann bei einem bis zum Umbau „durchschnittlich“ geführtem Haus als realistische Größe betrachtet werden. Bei BUDDY z.B. lag der Pro-Kopfumsatz nach dem Umbau bei deutlich über 10 DM – vorher beträchtlich darunter.)

Ein Foyer und seine Funktionszonen „Wo bekomme ich was?“, muss sich auf den ersten Blick erschließen. An Stelle von Mono-Zonen – Eis hier, Sekt da, CD und T-Shirt dort, Toilette wo? – werden Service-Zonen gestaltet, die möglichst viele Wünsche des Gastes erfüllen. Er will sehen und gesehen werden, deshalb brauchen Raumperspektiven und architektonische Aufteilung viel Transparenz, auch um die Besucherströme steuern und koordinieren zu können. Sonderveranstaltungen mit Live-Programm benötigen Bühnenflächen, die multifunktionale Nutzung eines Foyers als Veranstaltungsstätte die erforderlichen Zulassungen. Bei BUDDY beispielsweise mussten häufig Eventanfragen abgelehnt werden, da die Foyerlogistik des Theaters nur auf 1.500 Personen ausgerichtet war – entsprechend der Zahl der Zuschauerplätze. Im Foyerumbau wurde der Faktor „Großevents“ berücksichtigt, z.B. durch zusätzliche Fluchttüren, erweiterte Gastronomiebereiche „mit Einblick“ und einen neuen, innovativ gestalteten Sanitär-Bereich. Betrachtet man den Theaterbesuch als Gesamtevent, wird hier selbst das „Nasepudern-Gehen“ zum Erlebnis. Innen und außen gesandstrahlte Glastüren lassen rätseln, ob man sieht oder gesehen wird, die Rot-/Grün bzw. Besetzt-/Frei-Markierung ist zu Gunsten einer Licht-An- bzw. Licht-Aus-Schranke entfallen. In den Damentoiletten angebrachte, gepolsterte Haltegriffe ermöglichen ein freies Schweben trotz langer Abendgarderobe. Auch solche Details beweisen, dass ein Theater als Gastgeber Wünsche von den Augen abliest.

Der Faktor Mensch zählt doppelt – er gilt für Publikum und Betriebspersonal. Wie wohl sich beide Seiten fühlen, hängt voneinander ab. Zufriedene Servicemitarbeiter, die eine funktional geplante Logistik „bespielen“, erzielen höhere Umsätze und die Sympathie des Publikums. Ein intelligentes Nutzungskonzept in einem umgestalteten Foyer schafft häufig neue Arbeitsplätze. Werden die Mitarbeiter einbezogen, entstehen zahlreiche Chancen, Aufgabengebiete neu zu strukturieren und Arbeitsabläufe interessanter und vielseitiger zu gestalten. Auch sie sind ein Kapitalfaktor, für den sich ein Investment lohnt – bis hin zu Sozial- und Sanitärräumen, die den Anforderungen des Arbeitsschutzes und der Hygienerichtlinien entsprechen.

Autor:
Sebastian Hellwig
Geschäftsführer
bühnenwerk gmbh, Hamburg

Als Berater nutzt die bühnenwerk gmbh das Wissen aus der Praxis, um Projekte von Kunden nach einer umfassenden Analyse erfolgreich umzusetzen. Hierbei ist der Blick vor allem auf Projektstrukturen, Logistik und Kosten gerichtet. Gegebenenfalls wird auf Architekten, Ingenieure und Technische Leiter zurück gegriffen – eben auf ein Spezialistenteam, das für jedes Vorhaben individuell zusammengestellt wird.“ Das Consulting-Spektrum umfasst:

– Planung und Umsetzung von Betriebsstrukturen
– Bühnenplanung
– Foyerlogistik und Foyerplanung
– Personalplanung
– Technische Planung
– Optimierung von Verkehrs und Transportwegen
– Strukturanalysen

Weitere Informationen unter www.buehnenwerk.de

 

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