Zur Situation der Kulturimmobilien in Deutschland

Insgesamt erscheint die Substanz der Kultureinrichtungen in die Jahre zu kommen. Über 64 Prozent der Einrichtungen sind älter als 20 Jahre. Das ergab eine Untersuchung, die von TheaterManagement aktuell mit freundlicher Unterstützung der Weserland Sitzsysteme GmbH in diesem Frühjahr durchgeführt wurde. Insgesamt 600 Kulturimmobilien vom Theater bis zur Mehrzweckhalle bis ca. 1.200 Sitzplätze wurden angeschrieben. Beteiligt haben sich 153 Institutionen, das sind mehr als 25 Prozent Rücklaufquote. Die Ergebnisse können sicher nicht als repräsentativ im klassischen Sinne betrachtet werden. Sie zeichnen jedoch in der Tendenz ein klares Bild und liefern Orientierungspunkte für die Entscheidungsträger in den Häusern.

Insgesamt wurden Fragebogen für 155 Veranstaltungsstätten eingesendet. Davon waren 52 Theater, 45 Stadthallen, 27 Mehrzweckhallen, 17 andere Veranstaltungsstätten und 14 Mischformen. Unter den Institutionen die sich als Mischform bezeichneten können 13 zur Kategorie der Stadthalle gezählt werden und eine

in die Kategorie andere Veranstaltungsstätte. Unter Mehrzweckhallen, anderen Veranstaltungsstätten bzw. Mischformen befindet sich eine größere Zahl an Kultur- und Kongress bzw. Tagungszentren, die kulturelle Angebote im Programm haben. Zusammen repräsentieren die teilnehmenden Institutionen ein Zuschauervolumen von ca. 10. Mio. Besuchen (Nennungen für 2002) und ein Sitzplatzangebot von knapp 150.000 Plätzen.

Die Mehrzahl der Einrichtungen (48 %) führen ausschließlich Gastspielproduktionen auf. 45 Prozent bieten sowohl Gastspiel- als auch Eigenproduktionen und neun (alle Theater) bieten nur Eigenproduktionen. Dabei befanden sich auch 14 Theater unter den Teilnehmern der Untersuchung die ausschließlich Gastspielproduktionen anbieten und 29 Theater, die sowohl Gastspiel- als auch Eigenproduktionen im Programm haben. Erstaunlich ist daneben auch der relativ hohe Anteil von 10 bzw. 8 Prozent an Stadt- bzw. Mehrzweckhallen, in denen zum Teil auch Eigenproduktionen aufgeführt werden.

Besonders auffällig ist aber die Altersstruktur der teilnehmenden Institutionen. Etwa 15 Prozent sind älter als 100 Jahre. Das älteste Haus, ein Theater, ist 520 Jahre alt und wurde im vergangen Jahr sicher nicht zum ersten Mal saniert. Knapp 30 Prozent sind älter als 50 Jahre und mehr als zwei Drittel sind älter als 20 Jahre. Somit ist etwa ein Drittel der Einrichtungen jünger als 20 Jahre. Wovon nur knapp über 40 Prozent jünger als zehn Jahre.

Dabei zeigt sich, dass es sich bei Einrichtungen die vor 1938 gebaut wurden, fast ausschließlich um Theaterbauten handelt. Nach 1948 ist eine deutliche Zunahme der Stadt- bzw. Mehrzweckhallen im Feld der teilnehmenden Institutionen erkennbar. Oder anders: Die teilnehmenden Stadt- oder Mehrzweckhallen und sonstigen Veranstaltungsstätte sind im Schnitt deutlich jüngeren Baujahrs als die teilnehmenden Theater. Dies mag damit Zusammenhängen, dass die meisten Kommunen Mitte des 20. Jahrhundert bereits über ein Theater verfügten und andererseits die Kultur seither ihren Weg aus den so genannten Kunsttempeln in die Stadt- und Mehrzweckhallen gefunden hat.

In über 50 Prozent der befragten Immobilien wurden seit 2000 Baumaßnahmen durchgeführt. Bei 21 Prozent wurden die letzen Baumaßnahmen zwischen 1995 und 2000 durchgeführt und bei 7 Prozent liegen die letzten Baumaßnahmen zwischen acht und dreizehn Jahren zurück. Bei weiteren zehn Prozent sind seit der letzen Baumaßnahme zwischen 13 und 23 Jahre vergangen, und bei fast drei Prozent liegen die letzen Baumaßnahmen vor 1980.

Für die nächsten zwei Jahre planen bereits 60 Prozent der befragten Institutionen weitere Um- bzw. in einigen fällen sogar Neubaumaßnahmen. Über ein Viertel davon sind Generalsanierungen bzw. Modernisierungsmaßnahmen.

Immerhin jede achte Einrichtung plant die Erneuerung bzw. Ausbesserung der Bestuhlung und bei acht Prozent stehen Umbau bzw. Sanierung des Foyers auf dem Plan.

Eine Hochrechnung auf Basis der von den teilnehmenden Kulturinstitutionen genannten Budgets ergibt allein für die nächsten zwei Jahren ein Investitionsvolumen von deutlich über 0,5 Mrd. € für Baumaßnahmen in Kulturimmobilien in Deutschland. Budgets die zum Teil bereits heute in die Etats der Kommunen eingestellt sind. Bei einer zurückhaltenden Hochrechnung bis zum Jahr 2010 ergibt sich eine Summe von über 1,5 Mrd. EURO die in den Erhalt der baulichen und technischen Infrastruktur für die Kulturproduktion und -darbietung fließen werden.

Die Institutionen wurden darüber hinaus nach einer Einschätzung der aktuellen Situation in Bezug auf die Qualität verschiedener Einrichtungsbereiche wie beispielsweise Obermaschinerie oder Klimatechnik und Brandschutz befragt. Auch hier zeichnet das Ergebnis kein rosiges Bild. Stellt man die jeweiligen Einschätzungen der geäußerten Wichtigkeit einzelner Bereiche gegenüber, wird einmal mehr deutlich, dass Wunsch und Wirklichkeit auch hier klar auseinander fallen.

Während beispielsweise der Bereich Akustik von den Verantwortlichen in Stadt- und Mehrzweckhallen jeweils zu einhundert Prozent und immerhin von 84 Prozent der Theater als „sehr wichtig“ eingestuft wird, erhält der Bereich der Tontechnik lediglich die Note 2,68 (Mittelwert). Die Betreiber von Mehrzweckhallen bewerten die Qualität ihrer tontechnischen Einrichtungen sogar mit 2,85 (Mittelwert). Auch der Bereich der Klimatechnik wird von 80 Prozent als „sehr wichtig“ für die Zufriedenheit von Besuchern und Kunden gewertet. Der Zustand der Klimatechnik in den Kulturimmobilien erhält allerdings lediglich die Note 3,3 (Mittelwert) und liegt damit auf dem letzten Platz. Kaum besser, nämlich mit der Note 3,13 (Mittelwert) schneidet die Bestuhlung im Urteil der teilnehmenden Theater ab, während diese von 96 Prozent der Theater als „sehr wichtig“ für die Zufriedenheit der Zuschauer gewertet wird. Ähnlich sieht es auch im Bereich der Ober- und Untermaschinerie aus. Beide erhalten lediglich ein „Befriedigend“, was insgesamt keine zufrieden stellende Situation darstellen dürfte. Bedenklich scheint auch der Bereich des Brandschutzes, der mit einem Mittelwert von 2,13 zwar am besten abschneidet. Es erscheint aber fraglich ob ein „Gut“ für diesen Bereich ausreichend ist.

Auf die Frage, welche Kulturimmobilien bzw. Veranstaltungshallen, bauliche Maßstäbe in Punkto Modernität und Besucherfreundlichkeit setzen, antworteten 44 Teilnehmer und nannten insgesamt 76 Einrichtungen. Das Ergebnis lässt in zweierlei Hinsicht erstaunen. Einerseits lässt die geringe Beteiligung an dieser Frage eine insgesamt eher dürftige Qualität der bestehenden Immobilien vermuten. Andererseits zählen neben Stadthallen vor allem kleinere Theater zu den häufiger genannten Häusern. Mit dem Theater Fürth sogar ein Haus, das eher zu den älteren Kulturimmobilien des Landes gezählt werden darf.

Mit dieser Studie liefert TheaterManagement aktuell zum ersten Mal einen Überblick über die aktuelle Situation der Kultur- und Veranstaltungsimmobilien in Deutschland. Dabei werden erstmals das Volumen und die Struktur notwendiger Investitionen in die bauliche und technische Substanz kultureller Veranstaltungsstätten erfasst. Damit wird unter anderem auch deutlich, dass neben den öffentlichen Ausgaben für kulturelle Produktionen, beträchtliche Aufwendungen zum Erhalt der Spielstätten erforderlich sind. Darüber hinaus liefern die Ergebnisse auch Anhaltspunkte für die eigene Qualitäts- bzw. Standortbestimmung im Wettbewerb mit anderen Veranstaltungsstätten.

Der Berichtsband mit einer detaillierten Auswertung der Ergebnisse und zahlreichen Grafiken wird Ende September erscheinen und ist exklusiv für Abonnenten von TheaterManagement aktuell gegen einen Kostenbeitrag von 45,- € zzgl. MwSt. erhältlich (Bestellungen an Fax: 0221 / 941 78 98 oder eMail: mail@Theatermanagement-aktuell.de). Teilnehmer der Untersuchung erhalten den Berichtsband kostenfrei zugesendet.

 

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