STELLA MARIS – Multimediales Gesamtkunstwerk im sakralen Raum

STELLA MARIS könnte man auch als „Chartres-Oratorium“ bezeichnen. Das aus Anlass der 1000 Jahrfeierlichkeiten für die Kathedrale von Chartres komponierte Marienoratorium des Hamburger Komponisten Helge Burggrabe, wurde bei seiner Uraufführung 2006 von Publikum und Kritik einhellig begeistert aufgenommen. Zum 40jährigen Bestehen (2008) des spektakulären Mariendoms von Pritzker-Preisträger Prof. Gottfried Böhm in Neviges präsentierte die Kölner Dommusik unter Leitung ihres Domkapellmeisters Prof. Eberhard Metternich, das Werk am 7. und 9. Oktober 2007 mit hervorragender Resonanz von Publikum und Presse. Fast 3.000 Zuschauer erlebten das außergewöhnliche Spektakel.

Der Vorlauf für die Uraufführung in Chartres umfasste drei Jahre. Bereits im Sommer 2003 gab es die ersten Gespräche und Ideen für ein Werk zum 1000 jährigen Jubiläum in Chartres. Das Konzept wurde dem Komitée im Oktober 2004 vorgestellt. Ein halbes Jahr später kam die Zusage. Dies war der Start für die Arbeiten am Libretto und die Künstlerakquisition. Im August 2005 wurde eine Projektleitung mit den Hauptaufgaben Sponsoring, Konzertorganisation und Pressearbeit eingesetzt. Im Oktober 2005 begann Helge Burggrabe mit der Komposition, im April 2006 kam dann die Zusage von Arte / NDR für einen einstündigen Dokumentarfilm über das Projekt. Anfang Juli 2006 war das Hamburger Konzert bereits ausverkauft (700 Plätze). Anfang September 2006 fanden dann die Konzerte in Chartres und Hamburg statt.

Im Mittelpunkt von STELLA MARIS steht der Ort, der sakrale Raum. Alle Ebenen und Künste gehen von diesem Raum aus, weshalb jede neue Aufführung ein neues Konzept verlangt. Die Musik wird von zwei Chören und von Cello, Mezzosopran, Blockflöte und Orgel umgesetzt. Für den Part der Sprache gibt es eine Rezitatorin. Diese Künstler bewegen sich zum Teil auch im Raum und greifen dabei thematische Darstellungen auf, die in Verbindung mit dem Oratoriumstext stehen. Auf dieser visuellen, mit dem Raum unmittelbar verbunden Ebene setzt auch die Lichtkunst an und unterstützt die Erzählung des Oratoriums mit ihrer Bild- und Formsprache. Der vierte Bereich ist die Wasserkunst von Alexander Lauterwasser: Hier wird während der Orgelklänge die Struktur der Musik live sichtbar gemacht. Man sieht den Dialog von Wasser und Musik im Augenblick der Entstehung. Dass die Komposition mit Wasser und Licht spielt, geht auf zahlreiche Mythen zurück, die die Maria mit Wasser (Maris) und Licht (Stella) in Verbindung bringen. Die beiden Elemente setzt das multidimensionale Werk mittels Wasser-Klang-Projektionen und Lichtkunst in Szene.

In das Netz dieser vier Kunstformen ist das Libretto eingebettet. Verbunden mit dem Raum erzählt es die Geschichte der Maria. Grundlage für die Musik war die Beschäftigung mit dem Wort. Es sind da zum einen die Bilder, die in den Worten liegen, zum anderen ist es natürlich der Rhythmus der Sprache. Bei dieser Wortbezogenheit ist es nicht mehr weit zur gregorianischen Musik. Tragendes Element der Komposition ist zudem die Stille, aus der alle Musik hervorkommt und wieder zurückkehrt. An drei Stellen des Oratoriums spricht die Stille selbst in Form der Chorstücke „Je suis le Silence“. Weitere Momente des Innehaltens und Reflektierens sind die Stücke für Blockflöte und Cello. Doch dann geht die Handlung des Oratoriums durch Chorstücke oder den Sopran wieder weiter und erreicht seine größte Klangfülle bei den Orgelstücken, die beispielsweise mit Cluster-Klängen das Eintauchen in die Untiefen des Meeres symbolisieren sollen.

Nach der gotischen Kathedrale von Chartres und der neugotischen St. Johannis Kirche in Hamburg stellte der Mariendom zu Neviges mit seiner faszinierenden Architektur von Prof. Gottfried Böhm einen wirklichen Kontrast dar. Am 2. Mai 2008 soll STELLA MARIS im Kölner Dom aufgeführt werden, wo das vor kurzem eingeweihte faszinierende Glasfenster von Gerhard Richter ein wichtiger Bestandteil des Lichtkonzeptes sein wird.

Ein besonderes Ereignis, das besondere Anforderungen an Organisation und vor allem an die Finanzierung stellt. Eintrittsgelder lassen sich nicht in jeder Kirche nehmen und Sponsoren lassen sich nicht leichtgängig integrieren. Events verkaufen sich heutzutage fast von selbst, entsprechende Werbung vorausgesetzt.

Dieses Werbebudget hat man bei Kirchenkonzerten aber einfach nicht. Die Eintrittspreise folgen auch sozialen Aspekten. Hierzu gibt es strenge Richtlinien der Erzbistümer; ein Hinderungsgrund für nichtkirchliche Konzertveranstalter. Daher muss der Veranstaltungsort als solcher so gewählt sein, dass sich die Attraktivität des Konzertes über andere Ebenen vermittelt. Im Falle von STELLA MARIS waren es 2006 Chartres, 2007 der Mariendom zu Neviges und 2008 der Kölner Dom. Dennoch lassen sich die Kosten durch die restriktiven Eintrittspreise kaum einfahren. Daher müssen Sponsoren gefunden werden, die nicht nur auf Event setzen, sondern einen gewissen Anspruch durchaus willkommen heißen. Im Rahmen der Vermarktung nimmt dabei eine DVD eine bedeutende Rolle ein. Sie ist das wesentliche Präsentationsmedium für Sponsoren. Immerhin konnte bereits die RWE AG als Großsponsor für das anspruchsvolle Projekt gewonnen werden.

Bei kirchenmusikalischen Veranstaltungen sind einige zusätzliche Hürden zu überwinden. Da ist zum einen die technische Ausstattung der Kirchen: Bestuhlung, Seh- und Hörqualität, Elektrik, Beleuchtung etc. sind ja nicht an Konzertveranstaltungen orientiert, sondern am gottesdienstlichen Geschehen. Das erzeugt hohe Kosten, weil Profi-Equipment für Bestuhlung, Licht und Beschallung extern zugemietet werden muss.

Und zum zweiten sind für die interne Organisation meist ehrenamtliche Mitarbeiter zuständig, deren Engagement man nicht überstrapazieren darf. Um ein Projekt wie STELLA MARIS zu realisieren, benötigt man eigentlich ein Projektteam mit 10 Profis – und genügend Helfern. Wenn man das aufgrund des begrenzten Budgets nicht hat, muss eine exzellente Kernmannschaft all das leisten. Im konkreten Fall erfolgt die Umsetzung des Projektes durch ein kleines über alle Maßen engagiertes Team um den Komponisten Helge Burggrabe und die Produktionsleiterin Michaela Pods-Aue. In Neviges stand mit der Velbert Marketing GmbH ein engagierter Partner zur Seite, mit guten Kontakten, umfangreichen Sachleistungen und viel Arbeit für die Konzertorganisation.

Trotz all dieser zusätzlichen Hürden, gegenüber herkömmlichen Konzerten oder gerade deshalb scheint der Erfolg derartiger und insbesondere dieser Aufführung nahezu sicher. Lockt es doch Menschen in den sakralen Raum, die diesem sonst fern bleiben. Stella Maris berührt ein tief verwurzeltes Thema unseres Kulturkreises, dessen sich kaum jemand entziehen kann. Je nach Aufführungsort wird Werbung nahezu überflüssig.

Stella Maris beweißt, dass wahre Kunst vom Herzen der kunstschaffenden und kulturermöglichenden Menschen kommt, von einer selbstverwirklichenden Kraft, die sich ihren Weg von Herz zu Herz in ein großes Publikum bahnt und bisweilen auch zu den Herzen von Förderern. Und das ist gut so!

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