Maik Klokow, Geschäftsführer und Produzent: „Der erfolgreichste Vertriebsweg ist immer eine gute Show…“

die in allen Erdteilen gleichermaßen erfolgreich sein können, so wie z.B. Joung Frankenstein, Jersey Boys, Mary Poppins, Little Mermaid usw. Das heißt, die Produzenten außerhalb Londons und New York müssen sich um entsprechende Alternativen bemühen. So kommt es allgemein zu einer Hinwendung zu neuen, lokal interessanten Stoffen.

TheaterManagement aktuell: Etwa vierzehn Musicals laufen derzeit an festen Standorten in Deutschland. Wie viele Musicals verträgt der deutsche Markt Ihrer Meinung nach?

Maik Klokow: Ich denke, dass 14 Open-End-Shows bereits ein sehr großes Angebot darstellen. Es kommt nicht nur darauf an wie viele, sondern vor allem, wo diese Shows angeboten werden. Mit anderen Worten: Eine Zunahme von Spielstätten außerhalb von etablierten Standorten ist, meiner Meinung nach, nur noch in München sinnvoll. In Hamburg, wo eine anerkannte Etablierung des Genres stattgefunden hat, sind sicherlich noch mehr Theater, die mit Open-End-Shows arbeiten, vorstellbar.

TheaterManagement aktuell: Welche Erwartungen stellt der Musicalzuschauer heute an eine Produktion bzw. an den Musicalbesuch?

Maik Klokow: In den letzten Jahren war eine eindeutige Entwicklung zum leichten unterhaltsamen Comedy-Musical hin zu sehen. Das Musical wendete sich auch der Kunstform „Konzert“ zu, wie man in vielen Compilationshows oder Jukebox-Musicals sehen konnte. Die Ausstattung ist mehr in den Hintergrund getreten und die Musik sowie die Geschichten mehr in den Vordergrund. Es gibt beim Publikum ein hohes Maß an Wissen über das Genre allgemein, aber auch über die zu erwartende Qualität.

TheaterManagement aktuell: Wie hat sich die Aufführungspraxis an die geänderten Rahmenbedingungen angepasst? Welche Laufzeit kalkulieren Sie heute im Schnitt für ein Musical an einem Standort?

Maik Klokow: Es gibt für diese Art von Fragen keine eindeutige Antwort. Es ist immer abhängig von dem speziellen Stück, dem Theater-Standort sowie der Risikofreude des Unternehmers / Produzenten, welches Risiko tragbar scheint. Es wurden allerdings in den letzten Jahren Geschäftsmodelle entwickelt, die diesen verschiedensten Risikoansprüchen gerecht werden. Das heißt, man kann mit Laufzeiten von 10 Monaten Geld verdienen bzw. mit Laufzeiten von 4 Jahren auch Geld verlieren.

TheaterManagement aktuell: Mit Starlight Express hat Ihr Unternehmen das erfolgreichste Musical mit bisher über 12 Millionen Besuchern an einem Standort im Portefolio. Dennoch ist der Wettbewerb hart. Was ist Ihr Rezept um am Markt überstehen zu können?

Maik Klokow: Starlight Express ist ein so außergewöhnliches Musical, weil es auf Grund der Darstellungsform und des Rahmens (also des außergewöhnlichen Theaters) sowie der Handlung mit keinem anderen Musical vergleichbar ist. Man kann Starlight Express nur in Bochum und nur in diesem Theater so erleben und sehen. In keinem Stadt- oder Staats-Theater, Tournee-Theater oder in anderen Musical-Theatern kann dieses Erlebte so nachempfunden werden. Diese Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit macht Starlight Express so erfolgreich .

TheaterManagement aktuell: Die dominante Position eines Musicalproduzenten wie beispielsweise Sir Andrew Lloyd Webber gibt es heute nicht mehr. Wie stellt sich der Markt derzeit aus Ihrer Sicht dar?

Maik Klokow: In der Branche gibt es eine große Anzahl von Produzenten, die immer wieder aufs Neue in ihrem Land oder auch international sehr erfolgreiche Produktionen auf die Bühne bringen. Manche Shows wie Mamma Mia! oder Lion King gehen um die Welt, andere bleiben lokale, aber durchaus sehr erfolgreiche (allerdings für den Rest der Welt nicht interessante) Hits, wie zum Beispiel Jersey Boys oder Mary Poppins. Für die Vielfältigkeit ist dies sicherlich eher ein Gewinn und ermöglicht so dem Zuschauer, aus einem breiteren Angebot seinen Favoriten zu wählen.

TheaterManagement aktuell: Wie macht sich für Sie als Musicalbetreiber die aktuelle Rezession bemerkbar? Gibt es Rückgänge bei den Buchungen?

Maik Klokow: Die Produzenten in Deutschland und Europa sind Teil des wirtschaftlichen Gesamtgefüges. Zu behaupten, dass die unsicheren Zeiten sich nicht bemerkbar machen, wäre ignorant und leichtsinnig. Die Frage wird sein, wie unser Publikum auf jede einzelne angebotene Show reagiert. Hier hat der Starlight Express nunmehr länger als 20 Jahre bewiesen, dass auch in angespannten Zeiten, die Besucher gutes außergewöhnliches Entertainment zu schätzen wissen und sich gerne aus dem tristen Alltag entführen lassen, um aufzutanken.

TheaterManagement aktuell: Was ist heute aus Ihrer Sicht der erfolgreichste Vertriebsweg, Call Center, Internet oder Reisebüro?

Maik Klokow: Der erfolgreichste Vertriebsweg ist immer eine gute Show zu produzieren. Spaß bei Seite, wir werden noch einige Jahre alle drei Vertriebswege brauchen, um unsere Shows erfolgreich verkaufen zu können. Der Vorteil einer individuellen Kundenberatung im Reisebüro, in dem mir meine Reise und meine Übernachtung sowie meine Eintrittskarten gebucht werden (mit gleichzeitiger persönlicher Beratung) kann in der Komplexität eben nicht so individuell im Internet dargestellt werden. Der schnelle Zugriff mit gleichzeitiger Informationsdichte und Preisvergleichsmöglichkeit ist für den flexiblen, schnell agierenden, sich im Internet auskennenden Kunden, sicherlich der komfortabelste. Ein Call-Center-Agent, der uns telephonisch berät und uns die Möglichkeit gibt, die Buchung einer Eintrittskarte in einem vertrautem Umfeld (zum Beispiel von zu Hause aus) vornehmen zu können, ist immer noch ein wichtiges Kriterium für viele Besucher.

TheaterManagement aktuell: Welcher Musicalstoff würde Sie als Produzent am meisten reizen?

Maik Klokow: Ein Musical basierend auf dem Buch „Das Parfum“ von Patrick Süskind.

TheaterManagement aktuell: Nach der Premiere ist vor der Premiere. Ist bereits ein neues Projekt in Vorbereitung?

Maik Klokow: Ja.

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