Ticketingkauf- und Konsumverhalten der Konzert- und Veranstaltungsbesucher – Ergebnisse der aktuellen GFK-Studie

Ein kaum erstaunliches Ergebnis: Seit 1995 muss nun erstmals auch die Veranstaltungsbranche berichten, dass die stetigen Umsatzsteigerungen der Vergangenheit im Jahre 2008 ausblieben. Gegenüber dem Vorjahr erfuhr der Markt einen nicht unerheblichen Umsatzeinbruch von immerhin sieben Prozent. Das Ergebnis blieb zwar weit hinter dem viel dramatischeren Rückgang des allgemeinen Wirtschaftswachstums aufgrund der 2008 einsetzenden Weltwirtschaftskrise zurück. Gleichwohl zeigt es aber auch, wie sehr das Veranstaltungsgeschäft nicht nur von der Qualität und Vielfalt seines Angebotes sondern auch von der gesamtwirtschaftlichen Prosperität abhängig ist.

Für 2008 gilt allerdings nach wie vor, dass der Veranstaltungsmarkt mit einem Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro im Musik-Veranstaltungsbereich und mit einer weiteren Milliarde Euro Umsatz in den übrigen nicht konzertanten Veranstaltungsbereichen gleich hinter dem deutschen Buchmarkt die Spitzenposition des deutschen Entertainment-Marktes – weit vor dem Games-, Tonträger- und Kinomarkt – einnimmt. Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes, kommentiert: ,,Umsatzergebnisse sind grundsätzlich ein wichtiger Gradmesser für die wirtschaftliche Bedeutung eines Marktes, lassen jedoch insbesondere in der Veranstaltungsbranche – entgegen anderweitiger Vermutungen – keinerlei Rückschlüsse auf die Gewinnsituation ihrer Unternehmer – der Veranstalter – zu. Diese liegen, wie eine kürzlich ebenfalls von der GfK im Auftrag unseres Verbandes durchgeführte Umfrage ergab, durchschnittlich bei nicht einmal neun Prozent der Umsätze der Unternehmen – wohlgemerkt vor Steuern!“ Stefan Zarges, Chefredakteur des Mitherausgebers Musikmarkt & Musikmarkt LIVE!, ergänzt: ,,Auch wenn die Veranstaltungsbranche von dem Schreckgespenst einer Strukturkrise weit entfernt ist – das Ergebnis zeigt, dass auch dieser Wirtschaftszweig nicht auf einer Insel lebt.“

Im Ticketing ist die Richtung klar

Online Ticketing gewinnt weiter an Boden. Was für den Kunden praktisch ist, ist für den Anbieter günstig.  Nach den Ergebnissen der GFK-Studie wurden in 2008 27 Prozent der Tickets für Musikveranstaltungen via Internet gekauft, vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Experten schätzen, das in 2010, etwa durchschnittlich jedes dritte Konzert-Ticket online gebucht und gekauft wird. Die Kaufvorlieben sind jedoch je nach Altersgruppe und Musikrichtung unterschiedlich. So kauften etwa im Bereich Hip Hop / Rap / Black Music fast fünfzig Prozent der Besucher ihre Tickets im Erhebungszeitraum online. Bei Rock / Pop Konzerten waren es über 40 Prozent. Bei Musicals sind es 38 Prozent der Befragten, bei Musikfestivals 30 und bei Konzerten der klassischen Musik sowie Opern und Operetten immerhin noch durchschnittlich 10 Prozent der Besucher, die über den Onlinevertriebsweg nutzen. Im Theater sind es 17 Prozent die Tickets online kaufen. Als Faustregel kann gelten. Je jünger die Zielgruppe und die Kunstgattung, desto mehr geht über den Onlinekanal.

Ort des Ticketkaufs nach Musikrichtungen

Quelle: GFK, IDKV e.V., Musikmarkt LIVE!, 2009

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass das klassische Ticket noch nicht tot ist. Dies deckt sich mit einer Umfrage von TheaterManagement aktuell, vom Anfang des Jahres, die ergab, dass selbst unter Ticketanbietern dem klassischen Ticket teilweise weiterhin eine sehr hohe Bedeutung beigemessen. Zu mindestens für die nächsten fünf Jahre. Gerade bei hochpreisigen Events verbinde der Besucher die Eintrittskarte mit dem Event, so dass die Eintrittskarte insbesondere für die Generation 35+ weiterhin ein tolles Souvenir bleibt. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage von TheaterManagement aktuell war, der Erfolg von Print-at-home vor allem an den Anschaffungskosten für die Einlasskontrollsysteme scheitere, die heute vielfach als zu hoch eingeschätzt werden.

Über alle Musikveranstaltungen hinweg lassen sich 55 Prozent der Besucher durch die Berichterstattungen in Zeitungen zum Besuch eines Konzertes motivieren. 50 Prozent werden durch  Freunde inspiriert. Wenngleich Zeitungen laut Studie heute noch eine Leitfunktion übernehmen, so wird sich diese Perspektive wohl in den nächsten Jahren ändern. So beeinflusst die Zeitung vor allem bei der Zielgruppe der 50 plus häufig bzw. sehr häufig die Kaufentscheidung (66 Prozent). Bei der Zielgruppe der 20- bis 29-jährigen lassen sich jedoch nur weniger als ein Drittel über Zeitungsberichte motivieren (30 Prozent).

WC ist wichtiger als guter Klang

Gefragt nach den Rahmenbedingungen auf die bei Veranstaltungen Wert gelegt wird, nannten nahezu alle Altersgruppen die Sauberkeit der Sanitärbereiche als wichtig und sehr wichtig. Ausnahmen bilden die Altersgruppen der 20- bis 39-jährigen. Hier hat der Sound des Konzertes höchste Priorität. Hingegen wird lediglich von 44 Prozent der befragten besonderer Wert auf eine gepflegte Gastronomie gelegt.

Rahmenbedingungen

Quelle: GFK, IDKV e.V., Musikmarkt LIVE!, 2009

Das eingangs erwähnte rückläufige Marktvolumen hat seine Spuren nicht allein bei den Ticketverkäufen hinterlassen, sondern auch in der Gastronomie sowie beim Merchandising. Von 2007 auf 2008 sind die Gastronomieumsätze laut Studie um 24 Mio. EUR von 762 Mio. EUR auf 738 Mio. EUR zurückgegangen. Und das bei gestiegenen Ausgaben pro Kopf  in Höhe von durchschnittlich 70 Cent, von 9,20 EUR in 2007 auf 9,90 EUR in 2008. Allerdings gaben 2008 nur noch 74 Prozent der Besucher von Musik-Veranstaltungen Geld für Gastronomie aus. 2007 waren es noch 88 Prozent. Ein ähnliches Schicksal ereilte das Merchandisinggeschäft. Hier ist das Volumen insgesamt gegenüber 2007 um über 50 Mio. EUR eingebrochen, von 349 Mio. EUR auf 291 Mio. EUR. Nur noch 29 Prozent der Besucher gaben 2008 Geld für Merchandising aus (2007 = 43 %). Im Schnitt waren es hier nur noch 3,90 EUR statt 5,60 EUR in 2007.

Der ausführliche Berichtsband der GfK-Studie 2008 ist inklusive Mehrwertssteuer und Versandkosten zum Preis von 79 Euro erhältlich. Bestellungen sind über die Geschäftsstelle des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschafi (http://idkv.de) und den Online-Shop von Musikmarkt & Musikmarkt LIVE! (www.musikmarkt.de, www.musikmarkt-1ive.de) möglich.

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