NRW – Opern fordern den baldmöglichsten Einstieg in die Wiederaufnahme des Vorstellungsbetriebes

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Das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, das Aalto-Musiktheater Essen, die Oper Dortmund, die Oper Wuppertal, das Theater Krefeld Mönchengladbach, das Landestheater Detmold und das Theater Münster schließen sich auf Initiative des Theater Dortmund zusammen und fordern die politischen Akteure im Land und Bund auf, einen realistischen und zügigen Zeitplan zur Wiederaufnahme des Vorstellungsbetriebes zu erarbeiten und dafür in einen direkten und konstruktiven Dialog mit den Kulturschaffenden zu treten, wie es in einer aktuellen Pressemitteilung heißt.

Ziel dieses Dialoges muss es sein, den Vorstellungsbetrieb baldmöglichst, jedoch spätestens ab dem 1. September 2020, wiederaufzunehmen. Die Opern in Nordrhein-Westfalen sind in der Lage, Stückauswahl, Inszenierungen und das Besuchermanagement so anzupassen, dass diese den medizinischen und hygienischen Vorgaben entsprechen. Das Musiktheater in Deutschland besitzt ein internationales Alleinstellungsmerkmal – fast jedes siebte Opernhaus weltweit steht in Deutschland. Als Zeichen unserer Werte gilt es diesen kulturellen Schatz auch in Krisenzeiten zu schützen und zu bewahren.

Das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, das Aalto-Musiktheater Essen, die Oper Dortmund, die Oper Wuppertal, das Theater Krefeld Mönchengladbach, das Landestheater Detmold und das Theater Münster erkennen die hohe gesellschaftliche Verantwortung, die die Theater als Ort sozialer Begegnungen für die Pandemie-Eindämmung haben, ausdrücklich an, heißt es in der Meldung. Ebenso akzeptieren die genannten Opern den grundsätzlichen Vorrang medizinisch gebotener Notwendigkeiten vor wirtschaftlichen und künstlerischen Überlegungen. Dies gilt ausdrücklich auch für eine verantwortungsvolle Exit-Strategie. Gleichzeitig weisen die Opern auf die massive, in vielen Fällen existenzielle Betroffenheit besonders der freien Künstlerinnen und Künstler durch die behördlich angeordneten Einschränkungen hin.

Es ist daher zwingend erforderlich, einen Fahrplan zur zügigen Aufnahme des Vorstellungsbetriebes zu erarbeiten, um einerseits individuelle soziale Härten abzuwenden und gleichzeitig die Grundlagen für eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung des Kulturstandortes Deutschland mit seiner weltweit einzigartigen Theaterlandschaft zu erhalten.

Aus Sicht der besagten Opernhäuser sollte daher, neben dem bereits genannten Primat
medizinischer Notwendigkeiten, im Sinne einer geordneten Aufnahme des
Vorstellungsbetriebes folgende Prinzipien beachtet werden:

– Klarheit der Entscheidungen
Die Opern halten eine bundesweite Abstimmung der Regelungsgrundlagen und ihrer
Kommunikation für zwingend erforderlich.

– Fachwissen der Opernhäuser nutzen
Es gibt Opernrepertoire für kleinste instrumentale Formationen ohne Chor; dasselbe
gilt für Musicals und Operetten. Ferner könnte man beispielsweise darüber
nachdenken, für eine Übergangszeit bei größer besetztem Repertoire einzelne Chor- oder
Orchesterstimmen über Teilplayback einzuspielen und so die Hygiene- und
Abstandsregeln einzuhalten.

– Gleichbetrachtung von Kultur, Sport, Religionsgemeinschaften und Wirtschaft
Strenge Hygiene- und Abstandsregeln können auch bei Kulturveranstaltungen
umgesetzt werden. Eine Gleichbetrachtung des Vorstellungs- bzw. Konzertbetriebes
von Theatern und Konzerthäusern mit Gottesdiensten ist daher zwingend. Die Opern
plädieren deshalb dafür, strikt medizinisch zu begründen, welche Schutzmaßnahmen
beachtet werden müssen – unabhängig davon, ob sie z.B. von einem Gotteshaus oder
Theater umgesetzt werden.

– Einheitlichkeit der Regelungen
Schutzmaßnahmen sollten gleich behandelt werden. Dies betrifft insbesondere
medizinisch begründete Schutzmaßnahmen wie z.B. Abstandsregelungen,
Mundschutz-Pflicht, Personenzahl-Begrenzung für soziale Kontakte im öffentlichen
Raum.

– Akzentuierung auf das medizinisch begründet Notwendige
Die genannten Opernhäuser plädieren für eine Akzentuierung auf medizinisch
begründete Schutzmaßnahmen, die unabhängig von Personenkapazität einer
Örtlichkeit Anwendung finden sollten.

– Planungssicherheit für die nahe Zukunft
Theater müssen täglich zwischen professioneller Vorbereitung für eine erfolgreiche
Durchführung und den Risiken einer drohenden Absage abwägen. Es ist daher dringend
geboten, eindeutige Kriterien und klare Rahmenbedingungen in Bezug auf die zügige
Aufnahme des Vorstellungsbetriebes zu erarbeiten.

– Ausreichende Vorlaufzeiten
Es gibt in Deutschland 425 Theater unterschiedlichster Art und Größe. Diese Vielfalt
macht in normalen Zeiten den Reiz der deutschen Theaterlandschaft aus. Vor diesem
Hintergrund halten die genannten Opern eine intensive Kommunikation und eine
ausreichende Vorlaufzeit von zehn Wochen zwischen Ankündigung und Inkrafttreten
von Lockerungen bestehender Einschränkungen, für notwendig.

425 öffentlich getragene und private Bühnen, 130 Sinfonie-, Opern- und Kammerorchester, diverse Tournee- und Gastspielbühnen sowie 37 Festspiele mit überregionaler, teilweise internationaler Bedeutung werden jährlich von rund 35 Millionen Gästen besucht. Damit werden fast 105.000 Theateraufführungen und 7.000 Konzerte von mehr Zuschauerinnen und Zuschauern in Deutschland besucht, als die Spiele der ersten Fußball-Bundesliga. Gerade in Krisenzeiten müssen auch die nichtwirtschaftlichen Aspekte des gesellschaftlichen Lebens ihren verdienten und notwendigen Stellenwert erhalten. Die Geschichte der Krisen zeigt, dass gerade Kunst und Kultur einer Gesellschaft Kraft und Trost spenden und Zusammengehörigkeit sowie Identität stiften.

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