September 20, 2021

Wandel oder Quote? – Bühnengenossenschaft wählt erstmals Präsidentin

Foto: Sophie Wanninger

Heute wurde mit der Schauspielerin Lisa Jopt (38 J.) erstmals in der 150-jährigen Geschichte der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) eine Frau als Präsidentin gewählt. Die etwa 140 Teilnehmenden des virtuellen Genossenschaftstages stimmten mit großer Mehrheit für Jopt, die auch Vorsitzende des ensemble-netzwerks ist.

theatermanagement aktuell sagt: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH Frau Jopt!

In ihrer Bewerbungsrede schlug Lisa Jopt eine Modernisierungsagenda für die GDBA vor, die sowohl einen guten Tarifvertrag als auch eine spartenübergreifende Solidarität der Bühnenangehörigen in den Mittelpunkt stellt. Die Mindestgage soll signifikant erhöht, ein Mindestgagenstufensystem eingeführt und die Differenzen zwischen Kollektiven undSolist*innen überwunden werden. Lisa Jopt: „Leitspruch der GDBA muss der Wille zu Veränderungen, Erneuerungen und zu progressiven Kompromissen sein, so wie es auch für zeitgenössische Theater gilt. Relevanz entsteht aus Visionen und Veränderung. Ich verstehe meine Amtszeit als einen großen Wandel.“ Dazu möchte Lisa Jopt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der GDBA-Mitglieder verbessern: „Wer Arbeitskampf kann, muss auch Party können. Es gibt aktuell kein Format, in dem alle GDBA-Mitglieder sich kennen lernen können. Einmal im Jahr sollen deshalb alle Mitglieder am Rande des Theatertreffens zusammen kommen, um zu Netzwerken und zu Feiern. Wenn Berlinale ist, platzt Berlin vor lauter Agenturempfängen aus allen Nähten. Wenn Theatertreffen ist, haben die meisten eher das Gefühl ‚Ich bin mal wieder nicht eingeladen‘. Bei unserem Branchentreff geht es um die gemeinsame Identität, um das Wir-Gefühl. Das ist der Kit, der uns über schwere Zeiten hinweghilft.“ Die öffentliche Wahrnehmbarkeit der Genossenschaft soll durch Kampagnen, Aktionen und die Sozialen Medien gestärkt werden. Funktionäre der GDBA müssen sich als regionale Ansprechpartner*innen für Medien und Politik verstehen, ihnen muss geholfen werden ein kulturpolitisches Netzwerk aufzubauen, um die GDBA angemessen zu repräsentieren und „mitzumischen“.

Im Zuge des Wandels dürfte der Bühnengenossenschaft auch eine Namensanpassung gut zu Gesicht stehen, denn die Verortung als Genossenschaft “Deutscher” Bühnen-Angehöriger und der Modernitätsanspruch scheinen ein wenig überzeugendes Paar zu sein.