Februar 25, 2026
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Steht die Zukunft von „München Ticket“ auf der Kippe?

Wie die Süddeutsche Zeitung auf der Basis unveröffentlichter Informationen berichtete, steht der städtische Ticketdienstleister vor einer Grundsatzentscheidung: Kapitalzufuhr in Höhe von rund einer Million Euro, Verkauf – oder im schlimmsten Fall Insolvenz.

Millionenverluste trotz Event-Boom

Nach massiven Einbrüchen in der Corona-Pandemie (rund vier Millionen Euro Verlust im Jahr 2020) gelang nur 2024 noch einmal ein positives Ergebnis – begünstigt durch Großveranstaltungen wie die München-Konzerte von Adele. Doch strukturell bleibt das Geschäftsmodell unter Druck: Für 2025 steht ein Defizit von über 600.000 Euro im Raum, für dieses Jahr wird sogar mit einem noch höheren Fehlbetrag gerechnet. Perspektivisch sei eine Finanzspritze von einer Million Euro erforderlich.

Hintergrund ist ein tiefgreifender Marktumbau. Große Veranstalter integrieren Ticketing zunehmend in die eigene Wertschöpfungskette. Regionale Anbieter verlieren dadurch Marktanteile und Margen. Für kommunal geprägte Strukturen wie „München Ticket“ verschärft sich der Wettbewerb zusätzlich durch digitale Plattformen und internationale Player.

Eigentümerstruktur als Hebel – oder Risiko

„München Ticket“ befindet sich vollständig im Besitz der städtischen Töchter Gasteig München GmbH und Olympiapark München GmbH. Dort ungenutzte Zuschussmittel (rund 1,25 Millionen Euro) könnten nun zur Rettung von „München Ticket“ Verwendung finden.

Während das Referat für Arbeit und Wirtschaft von dauerhaft defizitären Perspektiven ausgeht, widersprechen Wirtschaftsreferat und Geschäftsführung dieser Einschätzung. Ihr Szenario: eine strategische Neupositionierung innerhalb eines größeren, überregionalen Ticketing-Verbunds.

Signalwirkung für die Theaterbranche

Für Veranstalter und Kulturmanager geht es dabei um mehr als eine lokale Krise. Der Fall zeigt exemplarisch:

  • Kommunale Ticketing-Strukturen stehen unter strukturellem Druck.
  • Eigenvertrieb großer Veranstalter verändert die Marktarchitektur nachhaltig.
  • Öffentliche Zuschüsse geraten angesichts angespannter Haushalte zunehmend unter Rechtfertigungsdruck.

Gerade für kommunal geförderte Häuser stellt sich damit die strategische Frage, ob regionale Ticketing-Partnerschaften langfristig sicher sind – oder ob Kooperationen mit überregionalen Plattformen zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit werden.

Eine Entscheidung des Münchner Stadtrats soll noch vor den bayerischen Kommunalwahlen am 8. März fallen. Klar ist: Ohne kurzfristige Kapitalzufuhr droht die Überschuldung – und damit das Aus des seit 1994 etablierten Ticketing-Partners.

Für die Branche wird München damit auch ein Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit kommunaler Ticketing-Modelle.